Landtagswahl Mecklenburg: SPD holt auf, CDU kämpft ums Überleben
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern holt die SPD mit Schwesig stark auf – nur noch 2 Punkte hinter der AfD. Die CDU kämpft gegen das Vergessen.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verdichtet sich das Rennen an der Spitze. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat in wenigen Monaten fast zehn Prozentpunkte aufgeholt und liegt in aktuellen Umfragen nur noch zwei Prozentpunkte hinter der AfD. Ihr Wahlkampfmotto „Die Frau gegen Blau” steht dabei programmatisch für ihren zentralen Anspruch: als einzige Kandidatin eine AfD-geführte Landesregierung verhindern zu können. Gleichzeitig kämpft die CDU ums politische Überleben, während die Berliner Wirtschaft den scheidenden Senat kritisch bewertet.
Schwesig auf der Überholspur – SPD holt massiv auf
Noch im März lag die SPD in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 26 Prozent. In den aktuellsten Umfragen wird sie mit 35 Prozent gehandelt – ein Zuwachs von fast zehn Prozentpunkten innerhalb weniger Monate. Die AfD führt zwar noch mit 37 Prozent, doch der Abstand hat sich deutlich verringert.
Der Strategiewechsel war bewusst. Schwesig zugespitzte ihren Wahlkampf klar gegen die AfD und inszenierte sich als Schutzwall gegen eine blaue Regierungsbeteiligung. Dieses Narrativ verfängt: Viele Wählerinnen und Wähler, die eigentlich andere Parteien bevorzugt hätten, sammeln sich hinter der SPD-Kandidatin.
Im TV-Duell gegen Leif-Erik Holm, den AfD-Spitzenkandidaten, betonte Schwesig erneut ihre Alleinstellungsposition. Holm wiederum setzt auf das Versprechen einer „blauen Wende” – einem vollständigen politischen Kurswechsel in Mecklenburg-Vorpommern. Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD dominiert den Wahlkampf.
CDU mit historisch schlechten Umfragewerten
Abseits des Zweikampfs an der Spitze kämpft die CDU mit Spitzenkandidat Daniel Peters ums Überleben. In Umfragen liegt die Partei bei lediglich 7 Prozent – ein historisch schlechtes Ergebnis für eine der einstmals stärksten Volksparteien des Landes.
Peters zog dennoch durch Wohngebiete in Wismar und klingelte bei Seniorinnen und Senioren. Der persönliche Kontakt soll Stimmen sichern, die Umfragen nicht abbilden. Bei einem Besuch in einem Wohnkomplex wurde er sogar ins Wohnzimmer gebeten – ein ungewöhnlicher Moment im Haustürwahlkampf.
Viele Gesprächspartner sprachen dabei weniger über Landespolitik als über die Bundespolitik und die Unbeliebtheit von Bundeskanzler Friedrich Merz. Peters gibt sich dennoch kämpferisch und ist zuversichtlich, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden.
Berliner Wirtschaft bewertet scheidenden Senat mit „Drei minus”
Parallel zum Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern äußert sich auch die Berliner Wirtschaft zum Ende der schwarz-roten Koalition im Stadtparlament. Dieter Miesen, kaufmännischer Leiter eines Tiefbauunternehmens in Berlin-Mitte, gibt dem scheidenden Senat aus wirtschaftlicher Perspektive kaum mehr als eine „Drei minus”.
Zentrale Kritikpunkte:
- Genehmigungsverfahren dauern in manchen Bezirken bis zu acht Monate – statt der möglichen 14 Tage.
- Behörden schieben die Zuständigkeit gegenseitig hin und her („Behörden-Pingpong”).
- Fehlende zentrale Anlaufstellen: Unternehmen wünschen sich ein One-Stop-Center für alle Genehmigungsbelange.
- Der Wohnungsmangel ist ungelöst – bis 2040 fehlen in Berlin rund 270.000 Wohnungen.
- Enteignungspläne der Linken würden bis zu 36 Milliarden Euro kosten, ohne eine einzige neue Wohnung zu schaffen.
Miesen spricht sich klar gegen Enteignungen oder Vergesellschaftungen aus. Private Investoren hätten in den vergangenen Jahren zwei Drittel aller neu gebauten Berliner Wohnungen errichtet. Unsicherheit auf dem Markt würde Finanzierungskosten für alle – Investoren wie private Häuslebauer – in die Höhe treiben.
Fachkräftemangel und Bildungsdefizite als langfristiges Problem
Neben Bürokratie und Wohnungsbau thematisiert Miesen einen weiteren strukturellen Missstand: die Ausbildungsreife junger Bewerberinnen und Bewerber. Sein Unternehmen konnte in diesem Jahr immerhin 14 neue Auszubildende gewinnen – ein Erfolg, der in früheren Jahren keineswegs selbstverständlich war.
Dennoch zeigt sich Miesen besorgt über das Bildungsniveau: Grundkenntnisse in Mathematik und geometrischen Grundbegriffen fehlten bei manchen Schulabgängern nach zehn Schuljahren. Er macht dafür jahrzehntelange Versäumnisse in der Berliner Bildungspolitik verantwortlich.
Die Wahlentscheidung in Mecklenburg-Vorpommern und die Berliner Senatswahl verdeutlichen gleichermaßen: Wirtschaftliche Themen wie Bürokratieabbau, Wohnungsbau und Fachkräftesicherung sind zentrale Wahlkampfthemen – unabhängig vom Bundesland. Ob Schwesig die AfD doch noch abfangen kann und ob die CDU die Fünf-Prozent-Hürde schafft, entscheidet sich am Wahlsonntag.
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