Landtagswahl MV: Schwesig vs. Holm im Endspurt
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD-Ministerpräsidentin Schwesig und AfD-Kandidat Holm ein enges Rennen – mit gegensätzlichen Strategien.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein historisch knappes Rennen ab. Zum ersten Mal seit 2023 liegt die AfD in den Umfragen wieder hinter der SPD. Die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und AfD-Spitzenkandidat Erik Holm präsentierten sich in den letzten Wahlkampftagen mit völlig unterschiedlichen Strategien – sowohl beim TV-Duell als auch bei den abschließenden Bürgerdialogen.
Schwesig punktet mit Bürgernähe und Medienkompetenz
Manuela Schwesig setzt im Wahlkampfendspurt konsequent auf persönliche Nähe. Ihr Markenzeichen: Waffelherzen, die sie bewusst als Lieblingsessen inszeniert – kein Zufall, sondern kalkulierte Symbolpolitik. Nach kurzen Redebeiträgen setzt sie sich direkt an die Biertische zu den Bürgerinnen und Bürgern, hört zu und führt Gespräche auf Augenhöhe.
Beobachter beschreiben sie als hochkonzentrierte Wahlkampfmaschine, die seit vielen Jahren weiß, wie politische Mobilisierung funktioniert. Ihre Botschaften sind durchgängig konsistent – dieselben Formulierungen, dieselbe Struktur, egal ob beim Bürgerdialog oder im TV-Interview.
Hinzu kommt ihre ausgeprägte Social-Media-Präsenz: Noch vor einem Pressegespräch nahm Schwesig gemeinsam mit einer Direktkandidatin spontan ein Unterstützervideo auf – mit nur einer einzigen Versprecher-Korrektur. Die Clip war sofort sendebereit. Diese professionelle Medienkompetenz trägt offenbar Früchte: In den Umfragen hat sie zuletzt deutlich aufgeholt.
Holm wirkt angespannt – setzt auf Bundespolitik als Hebel
Erik Holm, von Beruf eigentlich Radiomoderator und damit grundsätzlich medienerfahren, hinterließ beim TV-Duell einen weniger überzeugenden Eindruck. Viele Beobachter beschrieben ihn als vergleichsweise blass. Beim anschließenden Bürgerdialog im mecklenburgischen Waren versuchte er, mit deutlich schärferem Ton gegenzusteuern.
Statt Waffelherzen verteilte Holm Flugzeug-Gummibärchen – ein unmissverständliches Symbol für seine Abschiebepolitik. Auf der Bühne teilte er kräftig aus:
- Die Bundesregierung bezeichnete er als „Zirkus in Berlin”
- Ministerpräsidentin Schwesig nannte er „Pinocchia Manu” – in Anspielung auf die lügende Puppenfigur
- Bundeskanzler März (SPD) erhielt das Pseudonym „Pinocchio Fritze”
- Er forderte die Wählerinnen und Wähler auf, die AfD als „Katalysator” für eine „blaue Wende” in Berlin zu nutzen
Holms zentrale Botschaft: Wer bundespolitischen Wandel wolle, müsse bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern AfD wählen. Diese Verknüpfung von Landes- und Bundespolitik verfing bei Teilen des Publikums durchaus.
Kopf-an-Kopf-Rennen: Jede Stimme zählt
Die Ausgangslage vor dem Wahltag ist ungewöhnlich spannend. Aktuelle Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD, wie es das Land seit Jahren nicht erlebt hat. Dass die AfD erstmals seit 2023 wieder hinter der SPD liegt, ist für beide Lager ein Signal: Der Ausgang ist vollkommen offen.
Schwesig profitiert davon, dass sie als langjährige Amtsinhaberin ein eingespieltes Wahlkampfteam und eine stabile Stammwählerschaft hat. Holm hingegen versucht, bundespolitische Unzufriedenheit in Stimmen für die AfD im Nordosten umzumünzen – eine Strategie, die in anderen Bundesländern zuletzt erfolgreich war.
Ausblick: Zwei Kandidaten, zwei Welten
Der Kontrast zwischen den beiden Spitzenkandidaten könnte kaum größer sein: hier die routinierte, nahbare Netzwerkerin Schwesig – dort der polarisierende Provokateur Holm, der auf Protestpotenzial setzt. Welche Strategie am Wahltag die Oberhand behält, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es Schwesig gelingt, ihre aufgehobenen Umfragewerte in tatsächliche Wahlbeteiligung zu übersetzen. Mecklenburg-Vorpommern steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung.
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