Merz in Japan: Rüstungskooperation mit Tokio im Fokus
Bundeskanzler Merz besucht Japan und trifft Ministerpräsident Takaishi. Im Mittelpunkt stehen Wirtschaftsgespräche und eine mögliche Rüstungskooperation mit Tokio.
Dieses Video wurde am 28.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist im Rahmen seiner Asienreise in Japan eingetroffen. Der Besuch in Tokio steht ganz im Zeichen von Wirtschaft und Sicherheitspolitik: Neben einem Treffen mit Ministerpräsident Sanei Takaishi stehen vor allem Gespräche über eine mögliche Rüstungskooperation zwischen Deutschland und Japan auf der Agenda. Merz wird dabei von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet und nimmt am hochrangigen German-Japanese Business Summit teil.
Rüstungskooperation als zentrales Thema der Gespräche
Im Mittelpunkt des Staatsbesuchs steht die Frage, ob Deutschland und Japan ihre Zusammenarbeit im Verteidigungssektor ausbauen werden. Beide Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Rüstungsausgaben deutlich erhöht und suchen nach verlässlichen Partnern in einer zunehmend unsicheren geopolitischen Lage.
Japan hat sich unter wechselnden Regierungen von seiner traditionell pazifistischen Sicherheitsdoktrin entfernt und investiert massiv in seine Streitkräfte. Deutschland wiederum baut seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs seine Verteidigungsfähigkeiten aus. Eine engere bilaterale Kooperation könnte beiden Seiten strategische Vorteile bringen.
Zu den möglichen Kooperationsfeldern zählen Experten zufolge:
- Gemeinsame Entwicklung von Verteidigungstechnologien
- Wissenstransfer in den Bereichen Marine und Luftfahrt
- Abstimmung bei Exportrichtlinien für Rüstungsgüter
- Industriepartnerschaften zwischen deutschen und japanischen Rüstungsunternehmen
Wirtschaftsgipfel mit großer Delegation
Neben den sicherheitspolitischen Themen steht der German-Japanese Business Summit im Zentrum des Besuchs. Merz reist mit einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation an, der Vertreter aus verschiedenen Schlüsselbranchen angehören – darunter Automobil, Maschinenbau, Chemie und Technologie.
Deutschland und Japan verbindet eine langjährige Wirtschaftspartnerschaft. Beide zählen zu den führenden Exportnationen der Welt und sind in vielen Sektoren sowohl Partner als auch Wettbewerber. Der Gipfel soll neue Impulse für gemeinsame Projekte setzen und bestehende Handelsbeziehungen vertiefen.
Besonderes Interesse besteht auf beiden Seiten an Kooperationen im Bereich grüner Technologien, Halbleiter und künstlicher Intelligenz – Felder, in denen Japan und Deutschland internationale Spitzenpositionen anstreben.
Asienreise führte zunächst nach Singapur
Japan ist nicht die erste Station der Asienreise des Kanzlers. Zuvor hatte Merz Singapur besucht, einem der wichtigsten Finanz- und Handelszentren Südostasiens. Auch dort standen Wirtschaftsgespräche und die Vertiefung bilateraler Beziehungen im Vordergrund.
Die Reise fügt sich in eine außenpolitische Strategie ein, die Deutschland stärker im Indo-Pazifik verankern soll. Die Bundesregierung hatte bereits in früheren Jahren eine Indo-Pazifik-Strategie verabschiedet, die auf mehr Engagement in der Region abzielt – sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.
Mit Besuchen in zwei wirtschaftlich bedeutenden asiatischen Staaten setzt Merz ein klares Signal: Deutschland sucht aktiv nach neuen Partnerschaften jenseits des europäischen Kontinents.
Einordnung: Deutschland und Japan als neue Sicherheitspartner?
Die mögliche Rüstungskooperation zwischen Berlin und Tokio wäre ein bedeutender Schritt in den bilateralen Beziehungen. Beide Länder teilen ähnliche Werte – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und regelbasierte internationale Ordnung – und sehen sich mit vergleichbaren sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert.
Ob aus den Gesprächen konkrete Vereinbarungen hervorgehen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Fest steht: Die Asienreise von Bundeskanzler Merz unterstreicht den wachsenden Stellenwert des Indo-Pazifik in der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik.
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