Dieses Video wurde am 18.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der MSCI World gilt bei vielen Privatanlegern als Synonym für ein breit gestreutes, weltweites Aktienportfolio. Doch dieser Eindruck trügt: Mit einem US-Anteil von rund 72 Prozent ist der Index massiv auf eine einzige Region konzentriert. Experten warnen deshalb vor einem unterschätzten Klumpenrisiko, das vor allem mit Blick auf die künftige Marktentwicklung relevant werden könnte.
Der MSCI World ist kein echtes Weltportfolio
Wer in einen ETF auf den MSCI World investiert, hält zu fast drei Vierteln US-amerikanische Aktien im Depot. Das widerspricht dem verbreiteten Glauben, man diversifiziere damit global und gleichmäßig. Tatsächlich handelt es sich um eine starke Übergewichtung der USA – eine Tatsache, die viele Anleger unterschätzen oder schlicht nicht kennen.
Besonders auffällig ist, was im MSCI World fehlt: Schwellenländer wie China, Taiwan und Südkorea sind im Index gar nicht enthalten. Gerade diese Märkte gelten jedoch als Regionen mit erheblichem Wachstumspotenzial, insbesondere im Bereich Technologie und Halbleiter.
Auch der Asia-Pacific-Raum sowie einzelne europäische Märkte sind im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung unterrepräsentiert. Wer also glaubt, mit dem MSCI World alle Weltregionen abzudecken, unterliegt einem Trugschluss.
Klumpenrisiko USA: Was das für Anleger bedeutet
Ein Klumpenrisiko entsteht immer dann, wenn ein Portfolio stark von der Entwicklung einer einzelnen Region, eines Sektors oder eines Unternehmens abhängt. Im Fall des MSCI World bedeutet das: Schwächelt die US-Wirtschaft oder geraten amerikanische Tech-Konzerne unter Druck, spürt das gesamte Portfolio die Konsequenzen – trotz des vermeintlich globalen Ansatzes.
- Über 72 % des MSCI World entfallen auf US-amerikanische Unternehmen
- Schwellenländer wie China, Taiwan und Südkorea sind nicht enthalten
- Europa und der Asia-Pacific-Raum sind gemessen an ihrer wirtschaftlichen Kraft untergewichtet
- Ein Kurseinbruch am US-Markt trifft MSCI-World-Anleger überproportional hart
Langfristig orientierte Anleger sollten dieses strukturelle Ungleichgewicht bei ihrer Anlagestrategie berücksichtigen und gezielt gegensteuern.
Alternativen und Strategien für eine echte Diversifikation
Wer das Klumpenrisiko reduzieren möchte, hat grundsätzlich zwei Optionen: Entweder man kombiniert verschiedene ETFs aus unterschiedlichen Regionen selbst miteinander – etwa einen MSCI World mit einem Schwellenländer-ETF (MSCI Emerging Markets) und einem Europa-Index –, oder man überlässt die Zusammenstellung einem professionellen Anbieter.
Letzteres empfiehlt sich besonders für Privatanleger, da die Auswahl an ETFs groß und unübersichtlich ist. Viele Produkte ähneln dem MSCI World auf den ersten Blick, unterscheiden sich aber in wichtigen Nuancen – etwa bei der Gewichtungsmethode, der Länderauswahl oder den enthaltenen Sektoren. Diese Feinheiten sind für Laien schwer zu analysieren.
Ein ausgewogenes Weltportfolio sollte idealerweise folgende Regionen abdecken:
- Nordamerika (USA, Kanada)
- Europa (inklusive DAX-Werte)
- Asien-Pazifik (Japan, Australien)
- Schwellenländer (China, Taiwan, Südkorea, Indien)
Einordnung: Bewusste Entscheidung statt blinder Indexfolge
Der DAX hat sich im laufenden Jahr ebenfalls stark entwickelt und zeigt, dass auch europäische Märkte attraktive Renditechancen bieten können – ein weiteres Argument für eine breitere regionale Streuung.
Grundsätzlich spricht nichts gegen den MSCI World als Basisinvestment. Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass sie damit in erster Linie auf den US-Markt wetten. Wer das Risiko breiter verteilen möchte, kommt um eine ergänzende Strategie nicht herum – sei es durch selbst zusammengestellte ETF-Kombinationen oder durch professionell verwaltete Weltportfolios. Die entscheidende Voraussetzung ist in jedem Fall: informierte Entscheidungen statt unbewusster Konzentration.
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