Dieses Video wurde am 17.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Rhein erlebt in diesem Sommer ein außergewöhnliches Niedrigwasser: Der Pegel sinkt auf Rekordwerte, Schiffe können kaum noch fahren, und weite Flussbereiche liegen trocken. Doch ist der Klimawandel wirklich die Hauptursache? Ein Vergleich mit historischen Aufnahmen aus dem Jahr 1949 und aktuelle Einschätzungen von Experten zeichnen ein differenzierteres Bild.
Rekordpegel, aber kein Rekord bei der Wassermenge
Wer über das Niedrigwasser im Rhein spricht, muss zwischen zwei Messgrößen unterscheiden: dem Pegelstand und der tatsächlichen Wassermenge. Die Pegel markieren derzeit historische Tiefstände – doch das ist zumindest teilweise eine Folge menschlicher Eingriffe. Der Rhein wurde über Jahrzehnte vertieft und verbreitert, was die Pegelstände künstlich absenkt. Bei gleichbleibender Wassermenge fällt der gemessene Pegel, weil das Flussbett größer wurde.
Die Wassermenge selbst ist das entscheidendere Maß für klimatologische Vergleiche. Und hier gilt: Der Rhein transportiert derzeit nur etwa ein Viertel seines normalen Abflusses – extrem wenig, aber noch kein absoluter historischer Rekord. In früheren Jahrhunderten gab es noch drastischere Dürren, etwa im Jahr 1540, als es in weiten Teilen Europas fast das gesamte Jahr kaum regnete.
1949 als historischer Vergleich: Ähnliche Wassermengen, anderer Zeitpunkt
Historische Aufnahmen aus dem Jahr 1949 zeigen einen Rhein, der damals ebenfalls zur Steinwüste wurde. Rekonstruierte Messdaten belegen, dass die Wassermenge bei Köln im Jahr 1941 ähnlich niedrig war wie heute. Ein wichtiger Unterschied: Diese extremen Niedrigwasser ereigneten sich früher typischerweise im Herbst oder Winter – nicht mitten im Sommer wie jetzt.
Das macht das aktuelle Ereignis zu einem Sonderfall. Ein sommerliches Extremniedrigwasser dieser Intensität ist historisch äußerst selten. Es unterstreicht, dass extreme Dürren kein neues Phänomen sind – auch wenn die Rahmenbedingungen sich verändern.
Klimawandel: Wichtig für die Zukunft, aber nicht die Hauptursache jetzt
Viele Menschen setzen das aktuelle Niedrigwasser automatisch mit dem Klimawandel gleich. Experten mahnen jedoch zur Differenzierung. Der entscheidende Faktor für die diesjährige Dürre sind die ausgebliebenen Niederschläge im Frühjahr und Winter – und die lassen sich nach aktuellem Stand nicht dem Klimawandel zuschreiben.
- Der Klimawandel lässt in Mitteleuropa eher mehr Winterniederschläge erwarten – das Gegenteil ist eingetreten.
- Erste sogenannte Zuordnungsstudien kommen zu dem Schluss, dass die diesjährige Frühjahrsdürre nicht klimawandelbedingt ist.
- Verstärkte Verdunstung durch höhere Temperaturen ist zwar ein Klimafaktor, spielt aktuell aber nur eine untergeordnete Rolle.
- Weniger Schnee in den Alpen als Wasserreservoir ist langfristig ein wachsendes Problem.
- Paradoxerweise hat die Hitze dieses Jahr die Gletscherschmelze in den Alpen beschleunigt – und damit das Niedrigwasser im Rhein etwas abgemildert.
Langfristig wird der schwindende Gletscherbestand in den Alpen jedoch zum echten Problem: Ohne dieses natürliche Wasserreservoir fehlt dem Rhein in Trockenperioden ein wichtiger Puffer.
Hitze ist nicht gleich Dürre – und wann wird es besser?
Ein verbreiteter Irrtum ist die Gleichsetzung von Hitze und Dürre. Hohe Temperaturen allein verursachen kein Niedrigwasser – entscheidend ist ausbleibender Regen. Der Regenwald am Äquator ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel: heißes Klima, aber üppige Niederschläge und keine Dürre.
In Deutschland fällt Hitze häufig mit Hochdruckwetterlagen zusammen, die gleichzeitig Trockenheit bringen – das verleitet zur falschen Schlussfolgerung, Wärme sei die Ursache. Langfristig kann Hitze Dürre durch erhöhte Verdunstung und Rückkopplungseffekte verstärken, ist aber nicht ihr Auslöser.
Für die kommenden Wochen zeichnet sich eine leichte Entspannung ab: Erste Regenfälle lassen die Pegel etwas steigen. Eine deutliche Erholung des Rheins ist laut aktuellen Vorhersagen jedoch frühestens in mehreren Wochen zu erwarten – vorausgesetzt, die Niederschläge halten an. Behörden und Industrie sollten sich nach Ansicht von Fachleuten grundsätzlich auf solche Extremereignisse einstellen – auch und gerade im Hinblick auf künftige Klimarisiken.
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