Dieses Video wurde am 12.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Am zweiten Tag der Rivers Challenge schwimmt Extremschwimmerin Natalie Pol gemeinsam mit ihren Patenschwimmern durch Main und Rhein – rund 200 Kilometer von Frankfurt nach Köln. Das Ziel: Aufmerksamkeit auf den dramatischen Rückgang der Schwimmfähigkeit bei Kindern in Deutschland lenken und Spenden für Schwimmkurse sammeln. Unterstützt wird die Aktion von DVAG hilft. Nach Tag 1 mit 30 Kilometern geschwommener Strecke und über 35.000 Euro Spendeneinnahmen startete das Team am zweiten Tag an der Mainmündung nahe Mainz.
Rhein als neue Herausforderung: Strömung, Schiffsverkehr und Niedrigwasser
Der Wechsel vom Main in den Rhein brachte völlig andere Bedingungen. Während der Main am ersten Tag kaum Strömung bot (rund 0,5 km/h), verzeichnet der Rhein Fließgeschwindigkeiten von bis zu 3 bis 5 km/h – an der Lorelei-Passage sogar bis zu 8 km/h. Das ermöglicht es den Schwimmern, deutlich mehr Kilometer pro Stunde zurückzulegen. Gleichzeitig erhöht sich aber auch das Risiko: Schiffsverkehr, unsichtbare Strömungswirbel und das historisch niedrige Wasserstand des Rheins machten die Koordination zu einer komplexen Aufgabe für Coach Joshua Neulo und sein Team aus sieben Begleitbooten, darunter ein DLRG-Boot, ein Mediaboot, ein Social-Media-Team und ein Unterwasser-Kameramann.
Besonders dramatisch: An mehreren Stellen war der Rheinpegel so niedrig, dass Frachtschiffe nur noch ein Drittel ihrer üblichen Last transportieren konnten. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das Verluste in Milliardenhöhe. Teils wurden deshalb LKW-Sonntagsfahrverbote vorübergehend gelockert, um die fehlende Schifffahrtskapazität auszugleichen.
Das Schwimmerteam und seine Staffelstrategie
Natalie Pol schwimmt täglich in zwei Einheiten à zwei Stunden. Die Lücken füllen ihre Patenschwimmer, die jeweils rund eine Stunde im Wasser sind. Am zweiten Tag startete Anna Maria Raschke die Etappe, gefolgt von Julian Ble – einem 28-fachen hessischen Jahrgangsmeister – und schließlich Natalie Pol selbst. Nach einem Meet-and-Greet-Event in Bingen (Rhein-Nahe-Eck) kehrte Pol zurück und absolvierte ihre zweite Zwei-Stunden-Einheit. Den Tagesabschluss in Lahnstein übernahm erneut Anna Maria Raschke.
- Tag 2 geschwommene Strecke: rund 58 Kilometer
- Gesamtstrecke nach zwei Tagen: rund 88 Kilometer
- Spendenstand nach Tag 2: über 55.000 Euro (inkl. Kilometerspende von Carsten Maschmeier)
- Wassertemperatur Rhein: 24–26 °C
- Außentemperatur: bis zu 31 °C
Das Lorelei-Gebiet (ca. 27 Kilometer) durfte aus Sicherheitsgründen nicht durchschwommen werden: Enge Kurven, starke Strömungswirbel und ein Ampelsystem für die Schifffahrt machten eine Genehmigung unmöglich. Die Schwimmer überbrückten diesen Abschnitt auf den Begleitbooten.
Kinderschwimmen in Deutschland: Ein Notstand
Der eigentliche Antrieb der Rivers Challenge ist ein gesellschaftliches Problem: 60 Prozent der Kinder unter zehn Jahren können in Deutschland nicht ausreichend schwimmen. Jährlich werden 70 bis 80 Schwimmbäder geschlossen oder zu Freizeitbädern umgewidmet, in denen keine geregelte Schwimmausbildung mehr möglich ist. Schätzungen zufolge wären 10 bis 20 Milliarden Euro nötig, um alle sanierungsbedürftigen Bäder instand zu setzen – die Bundesförderung liegt bei gerade einmal 250 Millionen Euro.
Natalie Pol und DVAG hilft setzen deshalb auf Kita-Schwimmkurse mit professionellen Ausbildern, damit Kinder bereits vor der Schule sicher schwimmen lernen. Prominente Unterstützer wie Franziska von Almsick und Olympia-Fechterin Britta Heidemann betonten: Schwimmen sei kein optionaler Sport, sondern lebensnotwendiges Grundwissen. Unternehmer Carsten Maschmeier sagte eine Spende von 1.000 Euro pro von Natalie Pol persönlich geschwommenem Kilometer zu – hochgerechnet auf die gesamte Challenge rund 100.000 Euro.
Sicherheit und Ausblick auf die verbleibenden Etappen
Coach Joshua Neulo koordinierte nonstop den Schwimmbetrieb, überwachte Pegelstände, Schiffspositionen und Strömungsgeschwindigkeiten. Sicherheitsbojen (Hersteller: Restube) machten die Schwimmer für den Schiffsverkehr sichtbar. Die DLRG begleitete die gesamte Strecke. Trotz historischem Niedrigwasser – in Mainz wurde der tiefste Pegelstand seit November 1947 gemessen – verlief Tag 2 ohne Zwischenfälle.
An Tag 3 setzt die Staffel von Lahnstein nach Bad Honnef fort, bevor die Challenge am vierten Tag mit der Zielankunft am Beach Club an der Hohenzollernbrücke in Köln endet. Spenden sind weiterhin unter dvag-hilft.org/frankfurt-koeln möglich. Jede Einlage fließt direkt in Schwimmkursprojekte – denn, so Natalie Pol: „Jede Spende kommt an.”
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