Rot-Grün-Rot in Berlin: Causa Emde gefährdet Koalition
Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden – doch Rot-Grün-Rot in Berlin steht auf der Kippe. Die Causa Emde und Antisemitismusvorwürfe belasten die Koalition.
Dieses Video wurde am 29.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das neu gewählte Berliner Abgeordnetenhaus tritt erstmals zusammen – und die politische Lage in der Hauptstadt bleibt angespannt. Elif Eralp könnte als erste Linken-Politikerin ins Rote Rathaus einziehen. Doch der Weg zur Regierenden Bürgermeisterin ist von Beginn an von Antisemitismusvorwürfen, fragwürdigen Kontakten und internen Machtkämpfen gepflastert. Fünf Wochen nach der Wahl ist das Vertrauen zwischen den potenziellen Koalitionspartnern SPD, Grünen und Linken schwer erschüttert – und eine Einigung auf den letzten Metern alles andere als sicher.
Wahlsieg der Linken und erste Schatten
Mit 25,7 Prozent zieht die Berliner Linke als stärkste Kraft aus der Abgeordnetenhauswahl hervor – ein historisches Ergebnis. Elif Eralp gilt als klare Favoritin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Doch bereits auf der Wahlparty trübt sich die Stimmung ein: Clan-Chef Issa Remmo taucht bei der Feier auf, und die Linken-Politiker Ferat Koçak sowie Vanessa Emde posieren gemeinsam mit Ibrahim Ibrahim, der als Unterstützer der als Terrororganisation eingestuften PFLP gilt.
Für SPD und Grüne ist damit vor den Sondierungsgesprächen eine rote Linie gezogen: Ohne verbindliche Regelungen gegen Antisemitismus und organisierte Kriminalität soll es keine gemeinsame Regierung geben.
Streit um das Antisemitismus-Bekenntnis
Die drei Parteien einigen sich zunächst auf ein gemeinsames Papier mit klaren Bekenntnissen. Doch bei der Gründung ihrer Fraktion verabschiedet die Linke eine eigene, abweichend formulierte Erklärung – und nimmt Vanessa Emde in die Fraktion auf. SPD und Grüne stoppen daraufhin die Gespräche.
Nach Versicherungen der Linken, das ursprünglich gemeinsame Papier habe weiterhin Bestand, werden die Sondierungen fortgesetzt. Zwei Tage später distanziert sich Emde jedoch öffentlich von dem Bekenntnis, das sie selbst unterzeichnet hatte. Mit den Worten „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten. Menschen haben ein Recht zu existieren” und dem Beharren, keine einzige ihrer Aussagen zurückzunehmen, überschreitet sie nach Ansicht vieler Beobachter eine entscheidende Grenze.
- Gemeinsames Antisemitismus-Papier von SPD, Grünen und Linken unterzeichnet
- Linke verabschiedet bei Fraktionsgründung eigene, abweichende Erklärung
- Emde distanziert sich öffentlich vom gemeinsamen Bekenntnis
- SPD und Grüne stoppen die Koalitionsgespräche vorübergehend
- Linke Fraktionsführung sieht keine Grundlage mehr für Zusammenarbeit mit Emde
Druck von SPD-Chef Krach und interner Machtkampf
Selbst innerhalb der Linken-Fraktionsführung gilt eine Grenze als überschritten: Sie sieht nach Emdes Äußerungen keine ausreichende Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit. Auch SPD-Chef Steffen Krach erhöht den Druck und fordert eine Lösung von der Fraktionsspitze der Linken.
Eine konkrete Lösung bleibt jedoch bis zur konstituierenden Sitzung des Abgeordnetenhauses aus. Der interne Machtkampf in der Linkspartei, gepaart mit dem anhaltenden Misstrauen der potenziellen Partner, lähmt den Koalitionsprozess in einer entscheidenden Phase.
Sondierungsergebnisse und unsicherer Ausblick
Trotz der Turbulenzen kommen die inhaltlichen Verhandlungen in einigen Bereichen voran. Das Sondierungspapier enthält unter anderem:
- Die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne
- Das Ende des Weiterbaus der Autobahn A100
Zunächst wird im neu konstituierten Abgeordnetenhaus eine linke Parlamentspräsidentin gewählt – das gilt als gesetzt. Deutlich weniger sicher ist hingegen, ob die Koalitionsverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen. Die Causa Emde hat das Fundament des möglichen Dreierbündnisses so stark beschädigt, dass ein Scheitern auf den letzten Metern weiterhin realistisch ist.
Ob Elif Eralp tatsächlich ins Rote Rathaus einzieht, hängt damit nicht allein von programmatischen Einigungen ab – sondern vor allem davon, ob die Linke den Konflikt um Vanessa Emde noch auflösen kann. Berlin steht vor einer der schwierigsten Regierungsbildungen seiner jüngeren Geschichte.
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