Audi US-Werk: Kritik von Umweltminister Schneider
Audi baut ein Werk in Georgia und setzt auf Verbrenner – Umweltminister Schneider kritisiert die Entscheidung scharf. Was steckt hinter dem Schritt des VW-Konzerns?
Dieses Video wurde am 29.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das geplante Audi US-Werk im US-Bundesstaat Georgia sorgt für heftigen Gegenwind – sowohl innerhalb des Volkswagen-Konzerns als auch in der deutschen Politik. Audi-Chef Gernot Döllner hatte das Projekt Seite an Seite mit US-Präsident Donald Trump verkündet. Rund 4.500 Arbeitsplätze sollen in dem neuen Werk entstehen, wo vor allem große SUVs gefertigt werden – darunter der neue XXL-Geländewagen Q9, ein reiner Verbrenner. Die Entscheidung hat eine Debatte über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie ausgelöst.
Umweltminister Schneider attackiert Verbrenner-Strategie
Bundesumweltminister Karsten Schneider (SPD) hat die Ankündigung scharf verurteilt. „Diese Kumpelei geht mal gar nicht”, sagte er mit Blick auf den gemeinsamen Auftritt von Döllner und Trump. Dem Kölner Stadtanzeiger sagte Schneider: „Während sich weitere Teile der Welt aufmachen hin zur technisch überlegenen Elektromobilität, wettet Audi auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd.”
Schneider zweifelt nicht nur an den politischen Umständen der Verkündung, sondern auch grundsätzlich an der Zukunftsfähigkeit dieser Entscheidung. Die Investition in ein Verbrennerwerk wirft für ihn die Frage auf, ob Audi den globalen Wandel zur Elektromobilität langfristig verschläft.
Wut im VW-Konzern: Intranet-Kommentare abgeschaltet
Auch innerhalb des Volkswagen-Konzerns kochte die Stimmung hoch. Der gemeinsame Auftritt von Döllner mit Trump und die anschließende Begeisterung von dessen Anhängern sorgten intern für erheblichen Unmut. Die Reaktionen der Belegschaft im konzerninternen Intranet waren so zahlreich und aufgebracht, dass die Kommentarfunktion kurzerhand abgeschaltet werden musste.
Für Döllner dürfte das Nölen aus den eigenen Reihen und von der SPD jedoch zweitrangig sein. Audi steht massiv unter wirtschaftlichem Druck: Absätze und Erträge befinden sich seit Jahren im Sinkflug, Stellen wurden bereits abgebaut und weiterer Jobabbau gilt als wahrscheinlich.
Warum der US-Markt für Audi strategisch entscheidend ist
Anders als die Konkurrenten BMW und Mercedes verfügt Audi bislang über kein eigenes Werk in den Vereinigten Staaten – ein struktureller Nachteil, den das neue Werk in Georgia beheben soll. Döllner betonte: „Es handelt sich um eine langfristige Investition, denn wir glauben an den amerikanischen Markt.”
Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn stützt diese Logik und erklärt den Schritt mit der schwierigen Lage im Heimatmarkt: Die EU-CO2-Regulierung zwinge die deutschen Hersteller faktisch zum Bau von Elektroautos – einem Segment, in dem chinesische und möglicherweise französische Hersteller die Nase vorn hätten. „Natürlich geht Audi in den USA in die Offensive. Zuhause gibt’s schließlich nur Hauer”, so Sinn.
Die Zahlen geben dem Ansatz Rückenwind:
- Von Januar bis Juli wurden lediglich 25.000 Elektroautos aus Deutschland in die USA geliefert.
- Verbrenner machten im selben Zeitraum mit 198.000 Fahrzeugen rund 80 Prozent der deutschen PKW-Exporte in die USA aus.
- Der Q9 wird als reiner Verbrenner-SUV der erste in Georgia produzierte Audi sein.
- Audi hat kein vergleichbares US-Produktionsstandbein wie BMW (South Carolina) oder Mercedes (Alabama).
Zwischen Realpolitik und Klimaanspruch: Ein Zielkonflikt
Das Audi US-Werk offenbart den Zielkonflikt, in dem sich nicht nur Audi, sondern die gesamte deutsche Automobilindustrie befindet. Einerseits übt die EU-Regulierung massiven Druck in Richtung Elektromobilität aus. Andererseits verlangen wirtschaftliche Not und die Realität des amerikanischen Markts pragmatische Entscheidungen – auch wenn diese politisch unbequem sind.
Ob die Investition in Georgia langfristig aufgeht, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die US-Handelspolitik unter Trump weiterentwickelt und ob der amerikanische Appetit auf große Verbrenner-SUVs anhält. Für Audi bleibt es ein Hochrisikospiel – mit dem Unterschied, dass Nichtstun möglicherweise noch riskanter gewesen wäre.
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