Spritpreise in Deutschland: Ökonom warnt vor Konjunkturkiller
Hohe Spritpreise in Deutschland bedrohen den Wirtschaftsaufschwung. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski fordert rasche Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung.
Dieses Video wurde am 16.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Spritpreise in Deutschland erreichen im Herbst 2026 ein alarmierendes Niveau: Der Dieselpreis notiert bei rund 2,60 Euro pro Liter, und Experten sprechen bereits vom teuersten Tankjahr seit 2022. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland, schlägt Alarm: Ohne schnelles Eingreifen der Bundesregierung drohe der gerade erst aufkeimende wirtschaftliche Aufschwung im Keim zu ersticken. Die Ursachen liegen vor allem in der erneuten Eskalation der Lage im Nahen Osten, die die globalen Ölmärkte unter Druck setzt.
Ölpreisanstieg durch Nahost-Krise treibt Spritpreise
Die aktuell hohen Kraftstoffpreise sind laut Brzeski kein Marktversagen, sondern spiegeln die geopolitische Realität wider. Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat die internationalen Ölmärkte destabilisiert und die Preise kräftig nach oben getrieben.
Dabei trifft Deutschland der Preisanstieg besonders hart, weil die Bundesregierung bislang kaum gegensteuert. Anders als im Mai und Juni 2026 wurden zuletzt keine Maßnahmen ergriffen, um die gestiegenen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen abzufedern. Der Vergleich mit anderen europäischen Staaten zeigt: Deutschland hinkt beim Krisenmanagement hinterher.
Kaufkraftverluste und Inflationsdruck belasten Verbraucher
Für private Haushalte sind die Folgen bereits spürbar. Die Kaufkraftverluste übersteigen inzwischen das Ausmaß der Belastungen aus dem Jahr 2022 – einem Jahr, das für viele Verbraucher bereits schmerzhaft war. Weniger verfügbares Einkommen bedeutet automatisch weniger Konsum, was die ohnehin schwächelnde Binnenkonjunktur zusätzlich bremst.
Gleichzeitig heizt der hohe Ölpreis die Inflation erneut an. Die Kombination aus sinkender Kaufkraft und steigenden Preisen setzt Haushalte in niedrigen Einkommensgruppen besonders unter Druck.
- Dieselpreis: rund 2,60 Euro pro Liter (Stand Herbst 2026)
- Teuerste Tankperiode seit 2022
- Kaufkraftverluste übersteigen das Niveau von 2022
- Steigende Energiekosten befeuern erneut die Inflation
- Besonders betroffene Gruppe: Pendler und einkommensschwache Haushalte
Drohendes Konjunkturrisiko für die Industrie
Nicht nur Autofahrer spüren den Druck – auch die deutsche Industrie gerät in Bedrängnis. Brzeski verweist auf die Jahre 2022 und 2023, als zahlreiche Industrieunternehmen die gestiegenen Energiekosten nicht mehr stemmen konnten, die Produktion drosselten oder gar Insolvenz anmelden mussten.
Genau dieses Szenario droht nun erneut. Dabei hatte die deutsche Wirtschaft zu Beginn des Sommers 2026 erstmals wieder Hoffnung auf einen echten Aufschwung gemacht. Ein anhaltend hoher Ölpreis könnte diese fragile Erholung abwürgen, bevor sie sich festigen kann.
Bundesregierung gefordert: Preisdeckel oder gezielte Entlastung?
Brzeski sieht die Bundesregierung in der Pflicht, rasch zu handeln – und verweist auf Beispiele aus dem europäischen Ausland. Länder wie Belgien und Luxemburg setzen auf Preisobergrenzen oder geben Mehrsteuereinnahmen direkt an Verbraucher zurück. Solche Modelle könnten kurzfristig wirksam sein.
Der Chefvolkswirt plädiert dabei ausdrücklich gegen das Gießkannenprinzip: Statt pauschaler Entlastungen sollten Steuermehreinnahmen gezielt an Pendler, Niedrigverdiener und besonders betroffene Verbrauchergruppen zurückfließen. Maßnahmen wie der Tankrabatt oder die sogenannte 12-Uhr-Regel hätten in der Vergangenheit kaum nachhaltige Wirkung gezeigt.
Die Bundesregierung stehe dabei vor einem strukturellen Zielkonflikt: Einerseits soll der hohe Spritpreis langfristig den Umstieg auf Elektromobilität fördern, andererseits gefährdet er aktuell Wachstum und Wohlstand. Dieser Widerspruch muss laut Brzeski schnell aufgelöst werden – denn die Zeit drängt. Passiert nichts, riskiert Deutschland, den mühsam erarbeiteten konjunkturellen Aufwärtstrend zu verspielen.
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