Trumps Macht nach Midterms: Wohin steuern GOP und Demokraten?
Nach dem Midterm-Debakel analysiert Ex-Botschafterin Emily Haber, was die Niederlage für Trumps Einfluss auf die Republikaner und den Kurs der Demokraten bedeutet.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Midterms haben die politische Landschaft der USA erschüttert: Die Demokraten fuhren einen deutlichen Sieg ein, während Trumps persönlich unterstützte Kandidaten reihenweise scheiterten. Die ehemalige deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, ordnet die Ergebnisse ein – und warnt vor voreiligen Schlüssen über das Ende von Trumps Einfluss auf die Republikanische Partei. Sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern zeichnet sich ein offener Richtungsstreit ab, dessen Ausgang noch völlig ungewiss ist.
Demokraten nach den Midterms: Drei Lager streiten um die Zukunft
Der Wahlsieg der Demokraten kaschiert eine tiefe interne Zerrissenheit. Emily Haber unterscheidet drei konkurrierende Strömungen innerhalb der Partei, die nun um die inhaltliche und personelle Vorherrschaft ringen werden.
- Städtische Progressivkräfte, die die Partei nach links drängen wollen
- Ländliche Populisten, die wirtschaftliche Abstiegsängste ansprechen
- Pragmatische Technokraten, die auf Stabilität und Regierbarkeit setzen
Im Wahlkampf selbst präsentierten sich die Demokraten auffallend geschlossen. Sie setzten konsequent auf Kernthemen wie die hohe Inflation, steigende Hypothekenzinsen und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Verknüpft wurde diese wirtschaftliche Kritik mit dem Vorwurf der Korruption und Selbstbereicherung innerhalb der amtierenden Regierung. Laut Haber ist diese Botschaft bei den Wählerinnen und Wählern angekommen. Das bedeute jedoch nicht, dass die Einigkeit nach dem Wahltag anhält – im Gegenteil: Nun treten sehr unterschiedliche ideologische und personelle Visionen für die Zukunft der Partei offen in Konkurrenz.
Trumps Einfluss auf die GOP: Warnung vor zu schnellen Schlüssen
Für die Republikanische Partei stellt sich die Frage, ob die Midterm-Niederlage das Ende von Trumps Rolle als Königsmacher bedeutet. Haber mahnt zur Vorsicht bei solchen Schlussfolgerungen und verweist auf ein historisches Muster.
Nach dem 6. Januar 2021 wandten sich führende Republikaner und wichtige Parteispender zunächst rasch von Trump ab – nur um innerhalb von Wochen und Monaten wieder auf seinen Kurs einzuschwenken. Eine ähnliche Dynamik könne sich wiederholen, mahnt die Ex-Botschafterin. Aus einer Wahlniederlage direkt auf einen dauerhaften Machtverlust zu schließen, wäre verfrüht.
Gleichzeitig benennt Haber einen strukturellen Unterschied zur Situation von 2021: Trump kann verfassungsgemäß kein weiteres Mal kandidieren. Das verändert die innerparteiliche Mechanik grundlegend. Wer bislang seinen Widerstand vor allem durch Schweigen zum Ausdruck brachte, dürfte nun lauter werden.
Von Trump unterstützte Kandidaten scheiterten besonders deutlich
Ein zentrales Signal der Midterms ist das schlechte Abschneiden jener Kandidatinnen und Kandidaten, die Trump ausdrücklich endorsiert, also persönlich unterstützt hatte. Viele von ihnen verloren ihre Rennen klar – ein Befund, der Trumps Zugkraft als politischer Strippenzieher ernsthaft infrage stellt.
Dieser Umstand dürfte die innerparteilichen Absetzbewegungen beschleunigen. Haber geht davon aus, dass diese nach den Midterms stärker ausfallen werden als nach der Präsidentschaftswahl 2020 – auch wenn das endgültige Bild noch Wochen brauchen werde, um sich zu formen.
Ausblick: Offene Richtungskämpfe auf beiden Seiten
Die Midterms haben weniger Gewissheiten produziert als vielfach erhofft. Weder ist klar, wohin die Demokraten inhaltlich steuern, noch ob die Republikanische Partei sich dauerhaft von Trumps populistischem Kurs lösen wird oder ob sie – wie bereits einmal – zur alten Loyalität zurückfindet. Emily Haber fasst die Lage präzise zusammen: Die Botschaft der Demokraten hat gezogen, doch die strategischen und personellen Weichen für beide Parteien sind noch lange nicht gestellt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Wahlabend 2026 tatsächlich eine Zäsur markiert oder ob die amerikanische Politik zu vertrauten Mustern zurückkehrt.
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