US-Midterms: Demokraten siegen – Folgen für KI-Aktien
Die Demokraten gewannen die US-Midterms klar in beiden Kongresskammern. Was das für KI-Aktien, den DAX und Trumps Regierungsarbeit bedeutet – eine Einordnung.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bei den US-Midterms haben die Demokraten einen historischen Sieg errungen: Sie sicherten sich sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit und kontrollieren damit künftig beide Kammern des US-Kongresses. US-Präsident Donald Trump erkannte die Niederlage seiner Partei noch in der Wahlnacht an und sprach sogar ein Kompliment an die Demokraten aus – ein überraschend versöhnlicher Ton. Die Reaktionen an den Finanzmärkten waren zunächst verhalten, drehten im Tagesverlauf jedoch ins Positive. Was das Ergebnis politisch und wirtschaftlich bedeutet, ist komplex.
Historischer Demokraten-Durchmarsch bei den Midterms
Der Ausgang der Zwischenwahlen übertraf die meisten Prognosen. Wettmärkte hatten den Demokraten vor der Wahl eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für einen Sieg in beiden Kammern eingeräumt – dass es so deutlich werden würde, hatte kaum jemand erwartet.
Besonders auffällig waren einzelne Ergebnisse in traditionell republikanischen Hochburgen:
- In Texas gewann Senatskandidat James Tallarico mit einem Vorsprung von 12 Punkten – das Rennen galt lange als Kopf-an-Kopf-Duell.
- Die demokratische Gouverneurskandidatin Gina Inohosa schlug in Texas den prominenten Amtsinhaber und Trump-Vertrauten Greg Abbott.
- Georgia wählt erstmals eine schwarze Frau als Gouverneurin.
- In Kansas schicken die Demokraten zum ersten Mal seit 94 Jahren wieder einen Senator nach Washington.
Als zentrales Motiv der Wählerinnen und Wähler gilt die wirtschaftliche Lage: Die Inflation und die hohen Lebenshaltungskosten, die trotz Trumps Versprechen bei Amtsantritt nicht sanken, haben viele Wähler mobilisiert. Die Demokraten erkannten diesen Schwachpunkt und stellten ihre Kampagnen konsequent auf das Thema Bezahlbarkeit um.
Politische Folgen: Blockade statt Gestaltung
Ein demokratisch kontrollierter Kongress kann Untersuchungsausschüsse einrichten, Anhörungen anordnen und damit Druck auf die Trump-Regierung ausüben. Deals, die Trump etwa mit der Pharmaindustrie oder einzelnen Unternehmen über Zollerleichterungen geschlossen hat, könnten offengelegt werden.
Gestaltende Gesetzgebung bleibt für die Demokraten jedoch schwierig: Trump besitzt als Präsident ein Vetorecht, das der Kongress nur mit einer Zweidrittel-Mehrheit überstimmen könnte – die nicht vorhanden ist. Hinzu kommt, dass Trump seine Handelspolitik, insbesondere die Zölle, auf Jahrzehnte alte Gesetze stützt, die der Kongress nicht einfach kippen kann.
Trumps Signale nach der Wahl blieben widersprüchlich: Einerseits bot er Zusammenarbeit an, andererseits postete er auf Truth Social ein Foto einer roten Mütze mit der Aufschrift „Veto” – ein klares Symbol für mögliche Konfrontation.
Marktreaktionen: KI-Aktien unter Druck, DAX im Plus
Die Finanzmärkte reagierten zunächst nervös auf die Machtverschiebung. Zwei Sorgen dominierten den frühen Handel: eine mögliche stärkere Regulierung des KI-Sektors durch die Demokraten sowie das Risiko außenpolitischer Eskalationen durch eine geschwächte Trump-Regierung.
Im Tagesverlauf beruhigte sich die Lage jedoch, nicht zuletzt weil Trump das Ergebnis zügig anerkannte. ING-Chefvolkswirt Carsten Bjerski ordnet die Lage pragmatisch ein: Der Markt gehe zunehmend davon aus, dass Trump keine großen neuen Disruptionen mehr anstrebe und die verbleibenden zwei Amtsjahre eher ruhig gestalten wolle – auch mit Blick auf sein historisches Erbe.
Der DAX notierte im Handelsverlauf mehr als 2 Prozent im Plus bei rund 26.400 Punkten. Deutlich schwächer zeigten sich hingegen Tesla und andere Tech-Titel, deren Kurse zeitweise um mehr als 5 Prozent nachgaben. Hintergrund: Elon Musk hatte hunderte Millionen Dollar für republikanische Kandidaten gespendet – ohne den erhofften Erfolg in Texas zu erzielen.
KI-Boom und Staatsanleihen: Was Anleger jetzt wissen müssen
Bjerski sieht in einer möglichen stärkeren Regulierung des KI-Sektors kein existenzielles Risiko für die Branche. Da der KI-Boom ein zentraler Wachstumstreiber der US-Wirtschaft ist, hätten die Demokraten kein Interesse daran, ihn abzuwürgen. Wahrscheinlicher sei eine moderate Regulierung, die das unkontrollierte Wachstum – etwa beim Bau von Rechenzentren, das Energiepreise und Baukapazitäten belastet – etwas einhege.
Am Anleihemarkt sanken die Renditen für zehnjährige und 30-jährige US-Staatsanleihen nach dem Wahlergebnis. Die Machteilung zwischen Weißem Haus und Kongress dämpft die Sorgen vor einer unkontrollierten Ausweitung der Staatsverschuldung. Bjerski erwartet, dass die Demokraten einige Steuervorteile zurückfahren und einer ausgewogeneren Haushaltspolitik den Weg bereiten werden.
Historisch gesehen gilt das dritte Jahr im US-Präsidentschaftszyklus als besonders stark für die Aktienmärkte – der S&P 500 stieg in allen 20 Midterm-Jahren seit 1946 auf Jahressicht, im Schnitt um rund 14,4 Prozent. Bjerski warnt jedoch davor, diese Muster unreflektiert auf die aktuelle Lage zu übertragen: KI-Disruption, geopolitische Konflikte und die besondere Konstellation dieser Präsidentschaft seien zu einzigartig, um historische Analogien als verlässliche Orientierung zu nutzen.
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