Dieses Video wurde am 14.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit deutlichen Worten hat Sahra Wagenknecht das Angebot von AfD-Politiker Björn Höcke zurückgewiesen, sie mithilfe der AfD zur Ministerpräsidentin von Thüringen wählen zu lassen. Das Angebot sei „weder ehrlich noch seriös”, ließ die BSW-Gründerin mitteilen. Das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten sei kein „Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben vergeben kann.” Der Vorfall offenbart die angespannte politische Lage im Freistaat — und die Grenzen eines möglichen Bündnisses zwischen AfD und BSW.
Höckes Kalkül: Wagenknecht als Ministerpräsidentin
Hintergrund des Vorstoßes ist die wackelige Position des amtierenden thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU). Die Universität Jena hatte ihm seinen Doktortitel aberkannt, Voigt will dagegen klagen — der Ausgang ist offen. Höcke witterte in dieser Situation ein politisches Momentum und versuchte, die BSW-Vorsitzende als Galionsfigur für eine ungewöhnliche Mehrheit zu gewinnen.
Laut aktuellen Umfragen vom Juni kämen AfD und BSW gemeinsam auf rund 49 Prozent der Stimmen im Thüringer Landtag — die AfD liegt dabei bei etwa 40 Prozent, das BSW bei 7 Prozent. Rechnerisch wäre eine solche Mehrheit also möglich. Politisch scheitert sie jedoch an grundsätzlichen Differenzen zwischen beiden Parteien.
BSW: Keine Schnittstellen mit der AfD
Das BSW ließ keinen Zweifel an seiner ablehnenden Haltung. Man habe „keine Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit” mit der AfD, hieß es aus der Partei. Die BSW-Fraktion im Thüringer Landtag habe in der jüngeren Vergangenheit sehr intensiv gemerkt, dass die inhaltlichen Schnittmengen mit der AfD fehlen, um das Land „positiv zu verändern”.
- BSW bezeichnet Höckes Angebot als unehrlich und nicht seriös
- Keine gemeinsamen politischen Anknüpfungspunkte mit der AfD erkennbar
- AfD und BSW kämen zusammen auf rechnerisch 49 Prozent in Thüringen
- BSW lehnt die Bildung neuer Mehrheiten mit der AfD grundsätzlich ab
Damit bleibt eine der wenigen möglichen Mehrheiten im Thüringer Landtag jenseits der etablierten Parteien vorerst Theorie.
AfD sieht BSW als unglaubwürdig
In der AfD stößt die Absage auf scharfe Kritik. Aus den Reihen der Partei heißt es, das BSW rede zwar viel von politischem Wandel, „springe am Ende aber nicht”. Die AfD wirft dem BSW vor, sich der Verantwortung zu entziehen, wenn es darum gehe, neue Mehrheiten zu schmieden und Politik tatsächlich zu verändern.
Ähnliche Vorwürfe werden auch mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern laut, wo das BSW ebenfalls Kooperationen mit der AfD ablehnt. Für die AfD ist das Verhalten ein Muster: Das BSW präsentiere sich als Protestpartei, scheue aber die konkrete politische Verantwortung.
Wagenknecht fordert öffentliches Duell mit Höcke
Gleichzeitig geht Wagenknecht in die Offensive: Sie forderte Höcke zu einem öffentlichen Duell auf, bei dem über Inhalte gesprochen werden soll. Beobachter werten diesen Schritt auch als Versuch, die bisher unscharfe Abgrenzung zwischen BSW und AfD in der Öffentlichkeit deutlicher herauszuarbeiten — ein Anliegen, das angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin politisch brisant ist.
Der Vorfall zeigt, unter welchem Druck die etablierten Parteien vor den kommenden Landtagswahlen im Herbst 2026 stehen. Ob Wagenknechts klare Absage das Verhältnis zwischen BSW und AfD dauerhaft definiert oder ob Höcke erneut mit einem Vorstoß überrascht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte über mögliche Mehrheiten jenseits der politischen Mitte ist in vollem Gange.
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