AfD-Verbot: SPD fordert Prüfverfahren
Die SPD-Fraktion spricht sich für ein Prüfverfahren zum AfD-Verbot aus. Verteidigungsminister Pistorius unterstützt den Vorstoß ausdrücklich.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die SPD-Fraktion hat einen klaren Vorstoß in Richtung AfD-Verbot unternommen: In einer gemeinsamen Erklärung sprechen sich die Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag, im Europäischen Parlament und in den Landtagen dafür aus, eine bundesländerübergreifende Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Verbotsverfahren gegen die AfD vorbereiten soll. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius unterstützt diesen Schritt ausdrücklich. Er betont, es gehe nicht darum, eine politische Partei willkürlich zu verbieten, sondern um eine verantwortungsvolle Prüfung einer ernsthaften Gefahr für die freiheitliche Demokratie.
Was die SPD konkret fordert
Die SPD-Fraktion richtet ihren Appell an die deutschen Verfassungsorgane auf Bundes-, Länder- und Europaebene. Ziel ist die Einsetzung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Bundesländer, die ein formelles Verbotsverfahren rechtlich und inhaltlich vorbereiten soll.
In ihrer Erklärung bezeichnet die SPD die AfD als rechtsextreme Partei, die die Demokratie wiederholt von innen heraus bedrohe. Die Forderung ist damit nicht auf eine spontane politische Reaktion zurückzuführen, sondern auf eine koordinierte Positionierung aller SPD-Fraktionsebenen.
Zentrales Instrument in diesem Prozess wäre die Einreichung eines Verbotsantrags beim Bundesverfassungsgericht — eines der wenigen verfassungsrechtlichen Mittel, mit denen eine Partei in Deutschland verboten werden kann.
Pistorius: „Verantwortung dafür übernehmen”
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich klar hinter den Vorstoß der SPD-Fraktionen. Er erklärte, die entscheidende Frage sei nicht, ob man eine andere Partei verbieten wolle, sondern ob eine Partei so gefährlich für die liberale Demokratie sei, dass Verantwortungsträger handeln müssten.
Pistorius formulierte es so: Es gehe darum, als Verantwortliche in einer liberalen Demokratie alles getan zu haben, um eine konkrete Gefahr zu verhindern. Dabei verwies er ausdrücklich auf den Verbotsantrag beim Verfassungsgericht als eines der wenigen verfügbaren rechtlichen Instrumente.
Sein Bekenntnis ist bemerkenswert, da er als Bundesminister und nicht als Fraktionspolitiker spricht — und damit die Debatte über die Parteiebene hinaus in die Bundesregierung trägt.
Rechtliche Grundlagen eines Parteiverbots
Ein Parteiverbot in Deutschland ist an hohe verfassungsrechtliche Hürden geknüpft. Antragsberechtigt beim Bundesverfassungsgericht sind ausschließlich Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Das Verfahren erfordert den Nachweis, dass eine Partei aktiv und planvoll darauf abzielt, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen.
Wichtige Eckpunkte des Verfahrens:
- Nur der Bundestag, Bundesrat oder die Bundesregierung können einen Antrag stellen.
- Das Bundesverfassungsgericht entscheidet abschließend über das Verbot.
- Bisherige Verbotsverfahren gegen die NPD scheiterten 2003 bzw. führten 2017 nur zu einem Ausschluss von der Parteienfinanzierung.
- Der Verfassungsschutz hat die AfD auf Bundesebene als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
- Eine Arbeitsgruppe der Länder soll nun die Erfolgsaussichten eines Antrags rechtlich belastbar prüfen.
Einordnung und Ausblick
Der Vorstoß der SPD markiert eine neue Qualität in der politischen Auseinandersetzung mit der AfD. Bislang war die Frage eines Verbotsverfahrens vor allem von Bürgerrechtsorganisationen und einzelnen Politikern diskutiert worden — nun steht die gesamte SPD-Fraktion auf allen parlamentarischen Ebenen geschlossen dahinter.
Ob ein solches Verfahren tatsächlich eingeleitet wird, hängt von den Ergebnissen der geplanten Länder-Arbeitsgruppe ab. Verfassungsrechtler warnen regelmäßig davor, ein Verbotsverfahren ohne hinreichende Erfolgsaussichten zu starten, da ein Scheitern die betroffene Partei politisch stärken könnte. Die Debatte dürfte die innenpolitische Agenda in Deutschland in den kommenden Monaten maßgeblich prägen.
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