Zugunglück Spanien: Bis zu 66 Tote nach Kollision
Beim Zugunglück in Spanien kollidierten zwei Hochgeschwindigkeitszüge auf dem Weg nach Andalusien. Der spanische Zivilschutz meldet bis zu 66 Tote.
Dieses Video wurde am 28.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim schwersten Zugunglück Spaniens seit Jahren sind auf der Strecke zwischen Madrid und Andalusien zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. Der spanische Zivilschutz bestätigte zunächst 46 Todesopfer, kurz darauf stieg die offizielle Zahl auf 66 Tote. Weitere Opfer können nach Behördenangaben nicht ausgeschlossen werden. Die Unglücksursache war zum Zeitpunkt der ersten Meldungen noch nicht abschließend geklärt. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beiden Richtungen vollständig unterbrochen.
Ablauf der Kollision: Zug rammt stehendes Fahrzeug von hinten
Nach ersten Erkenntnissen war einer der beiden Züge auf offener Strecke zum Stehen gekommen — offenbar wegen eines Hindernisses auf den Gleisen. Ein zweiter Hochgeschwindigkeitszug, der sogenannte AVE, fuhr daraufhin von hinten auf den stehenden Zug auf.
Durch die Wucht des Aufpralls stürzten zwei Waggons eine Böschung hinunter. Bilder von der Unfallstelle zeigen das Ausmaß der Zerstörung. Warum der erste Zug wegen des Hindernisses anhielt und weshalb der nachfolgende Zug nicht rechtzeitig bremsen konnte, ist Gegenstand laufender Ermittlungen.
Der spanische Verkehrsminister Oscar Puente kündigte eine Pressekonferenz an, um weitere Details zu den Hintergründen zu liefern. Das Unglück ereignete sich auf der etwa 570 Kilometer langen Strecke, die Madrid in rund zwei Stunden und 15 Minuten mit Sevilla verbindet.
Strecke Madrid–Sevilla: Touristisch stark genutzte Verbindung
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla gehört zu den meistbefahrenen Bahnverbindungen Spaniens. Sie wird nicht nur von Pendlern, sondern auch von einer großen Zahl ausländischer Touristen genutzt, die bequem und schnell von der Hauptstadt in den Süden des Landes reisen möchten.
Aufgrund dieser internationalen Nutzung könnten auch Reisende aus dem Ausland unter den Opfern sein. Angehörige, die Informationen über mögliche Betroffene suchen, wurden darauf hingewiesen, die Guardia Civil zu kontaktieren — die spanische Polizeibehörde ist auch auf Englisch erreichbar. Ein spezielles Notfalltelefon war zum Zeitpunkt der ersten Berichte noch nicht eingerichtet worden.
Sicherheitsprobleme bei der spanischen Bahn
Das Unglück wirft erneut Fragen zur Sicherheit der spanischen Bahninfrastruktur auf. Bereits am 18. Januar desselben Jahres ereignete sich in der Provinz Córdoba ein schweres Zugunglück mit ebenfalls mehr als 40 Todesopfern.
Nach dem Unglück in Córdoba hatten Bahngewerkschaften deutliche Kritik geäußert. Ihre zentralen Forderungen und Vorwürfe lauteten:
- Einzelne Streckenabschnitte seien technisch veraltet und überholt
- Es fehle an systematischen Überprüfungen der Infrastruktur
- Die Arbeitszeiten des Bahnpersonals seien zu lang und sicherheitsgefährdend
- Investitionen in die Modernisierung des Streckennetzes würden verschleppt
Ob diese strukturellen Mängel auch im aktuellen Fall eine Rolle gespielt haben, ist noch nicht bekannt. Der spanische Bahnnetzbetreiber ADIF hat den Betrieb auf der betroffenen Strecke in beide Richtungen vorläufig eingestellt.
Ermittlungen laufen – weitere Opferzahlen erwartet
Die Behörden arbeiten unter Hochdruck daran, die genaue Unglücksursache zu rekonstruieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum der erste Zug auf offener Strecke hielt und warum das automatische Sicherheitssystem eine Kollision nicht verhindern konnte.
Das Zugunglück in Spanien ist eines der schwersten Eisenbahnunfälle in der jüngeren Geschichte des Landes. Angesichts der noch laufenden Bergungsarbeiten und der unklaren Lage an der Unfallstelle ist damit zu rechnen, dass die Opferzahlen in den kommenden Stunden weiter steigen. Die politische Debatte über den Zustand des spanischen Schienennetzes und notwendige Investitionen dürfte in den nächsten Tagen deutlich an Fahrt aufnehmen.
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