DAX-Check: Henkel, SAP, VW und Vonovia im Fokus
Der DAX klettert auf 25.800 Punkte – was Henkel, SAP, Volkswagen, Vonovia und Telekom bewegt und welche Aktien jetzt kaufenswert sind.
Dieses Video wurde am 29.10.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der DAX zeigt sich in dieser Handelswoche von seiner stärksten Seite: Mit einem Stand von rund 25.800 Punkten und einem Tagesplus von 0,4 Prozent setzt der deutsche Leitindex seinen Aufwärtstrend fort. Als wichtigster Kurstreiber gilt die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, die ihre Zinsspanne unverändert gelassen hat. Keine Anhebung bedeutet Erleichterung an den Märkten – davon profitieren heute besonders Aktien aus der Berichtssaison. Der DAX-Check nimmt die wichtigsten Einzelwerte unter die Lupe: Telekom, Henkel, Redcare Pharmacy, Salzgitter, SAP, Volkswagen und Vonovia.
DAX-Ausbruch nach oben: Fed-Entscheidung als Katalysator
Die Fed-Sitzung vom Vortag hat an der Wall Street für steigende Kurse gesorgt – dieser Impuls schwappt nun auf den deutschen Markt über. Die 50-Tage-Linie hat der DAX bereits überwunden, und bis zur psychologisch wichtigen Marke von 26.000 Punkten fehlen nur noch wenige Zähler.
Der längerfristige Chart zeigt: Die jüngste Konsolidierung war lediglich eine gesunde Korrektur innerhalb eines intakten Aufwärtstrends. Auch das Rekordhoch ist nicht mehr weit entfernt. Entscheidend wird nun sein, ob die laufende Berichtssaison weitere positive Impulse liefert – und ob die EZB, die am Nachmittag ab 14:15 Uhr ihre Zinsentscheidung bekannt gibt, den Schwung nicht bremst.
Telekom und Henkel: Lichtblicke im DAX
Die Deutsche Telekom hat selbst keine Quartalszahlen vorgelegt, profitiert aber von starken Ergebnissen ihrer US-Tochter T-Mobile US. Der amerikanische Mobilfunkanbieter gewann rund 274.000 neue Vertragskunden – mehr als erwartet. Der Umsatz stieg um sieben Prozent, das EBITDA sogar um elf Prozent. T-Mobile US ist der wichtigste Umsatz- und Gewinntreiber der Telekom und macht einen Großteil ihrer Marktkapitalisierung aus.
Dennoch: Die Telekom-Aktie befindet sich im Bereich von rund 25 Euro in einem Abwärtstrend. Die Angst vor einem möglichen Markteintritt von SpaceX im US-Mobilfunkmarkt belastet die Stimmung. Für einen Neueinstieg muss zunächst der Abwärtstrend gebrochen werden – aktuell bleibt Zurückhaltung angesagt.
Besser sieht es bei Henkel aus. Der Konsumgüterhersteller hat seine Prognose für das organische Umsatzwachstum deutlich angehoben – von bislang 1,5 bis 3,5 Prozent auf nun 3 bis 4 Prozent. Treiber sind höhere Preise und Mengen im Klebstoff- sowie im Konsumentengeschäft. Die Aktie stieg im frühen Handel auf über 80 Euro und markiert damit ein Mehrmonatshoch. Rein charttechnisch wäre bei einem nachhaltigen Ausbruch das Februar-Hoch bei knapp unter 85 Euro das nächste Ziel.
Redcare Pharmacy und Salzgitter mit gemischten Signalen
Bei Redcare Pharmacy lieferte die Berichtssaison starke Zahlen: Der Quartalsumsatz der Onlineapotheke stieg um 18 Prozent, das EBITDA sogar um 68 Prozent. Die EBITDA-Marge verbesserte sich von 2,4 auf 3,4 Prozent. Haupttreiber ist der Boom bei E-Rezepten.
Dennoch fiel die Aktie um rund drei Prozent – ein klassisches „Sell the News”-Phänomen, da Redcare die Jahresprognose bereits im September angehoben hatte und die Erwartungen entsprechend hoch lagen. Charttechnisch bleibt der Aufwärtstrend, der die Aktie vom Tief von rund 40 Euro auf über 76 Euro geführt hat, intakt. Anleger sollten jedoch den zunehmenden Wettbewerb – etwa den Einstieg von DM in das Online-Medikamentengeschäft – im Blick behalten.
Salzgitter überraschte positiv: Der Stahlkonzern hob seine Prognose für das Gesamtjahr erneut an und rechnet jetzt mit einem EBT von 800 bis 875 Millionen Euro (bisher: 725 bis 825 Millionen Euro). Nach neun Monaten wurden bereits 659 Millionen Euro erwirtschaftet. Entscheidend ist vor allem der höhere Ergebnisbeitrag der Aurubis-Beteiligung. Gelingt der Bruch des Abwärtstrends, könnte die Aktie schnell wieder in Richtung 60 Euro klettern.
SAP, Volkswagen und Vonovia: Zwischen Kursdruck und Strukturproblemen
Bei SAP sorgt der schwache Ausblick des US-Softwarekonzerns ServiceNow – dessen Aktie rund 20 Prozent einbrach – für Sippenhaft in der gesamten Softwarebranche. SAP verlor kurzfristig und notierte zeitweise wieder unter 200 Euro. Allerdings hat die Aktie seit Ende Juli bereits mehr als 70 Euro zugelegt, und SAP hat selbst starke Quartalszahlen vorgelegt. Der Rücksetzer dürfte kurzfristiger Natur sein.
Weniger ermutigend ist die Lage bei Volkswagen und Vonovia. VW musste erneut einen deutlichen Verlust melden – ausgelöst durch:
- Hohe Abschreibungen auf die Porsche-Beteiligung
- Schwache Absatzentwicklung in China
- Hohe Kosten für den Konzernumbau
Die Aktie befindet sich in einem anhaltenden Abwärtstrend zwischen 68 und 71 Euro. Ein Neueinstieg drängt sich nicht auf – vielmehr droht ein neues Mehrjahrestief.
Vonovia leidet unter einem toxischen Mix aus steigenden Finanzierungskosten, schwachem Transaktionsgeschäft und geringerem Mietanstieg als erwartet. Die Prognose wurde erneut nach unten angepasst, die Aktie markierte mit rund 15,60 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Angesichts möglicher weiterer Zinserhöhungen – in den USA wie potenziell auch durch die EZB – bleibt das Umfeld für Immobilienaktien schwierig. Bei Vonovia gilt weiterhin: Finger weg.
Am Abend richten sich alle Augen auf die Quartalsergebnisse von Amazon und Intel, die nach US-Börsenschluss erwartet werden. Nach gemischten Signalen von Microsoft, Alphabet und ServiceNow wird die Wall Street richtungsweisend für den weiteren DAX-Verlauf bleiben.
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