Dieses Video wurde am 13.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Journalist und Buchautor Robin Alexander greift in seinem Podcast Machtwechsel seinen früheren Arbeitgeber, die Tageszeitung Welt, scharf an. Auslöser ist eine Kolumne des bekannten Kolumnisten Harald Martenstein in der Welt am Sonntag, in der dieser den französischen Roman Das Heerlager der Heiligen aus dem Jahr 1973 als Aufhänger nutzte. Alexander wirft der Zeitung vor, damit zum nützlichen Idioten der neuen Rechten geworden zu sein – ein Vorwurf, der in der Medienbranche für erhebliches Aufsehen sorgt.
Der Roman im Mittelpunkt der Debatte
Das Heerlager der Heiligen des französischen Autors Jean Raspail erschien 1973 und schildert, wie sich fast eine Million Inder aus Kalkutta auf den Seeweg nach Europa macht. Frankreich bringt es nicht über das Herz, die Ankömmlinge abzuweisen; der Staat zerbricht im Chaos. Die zentrale Botschaft des Romans, die viele Rezipienten herauslesen: Menschlichkeit und Empathie werden zur Schwäche Europas gegenüber Massenmigration.
Das Buch galt jahrzehntelang als Randerscheinung. 2015 verlegte der Publizist und Verleger Götz Kubitschek eine neue deutsche Ausgabe – kurz vor dem Sommer der großen Flüchtlingsbewegungen. Seither ist es laut Angaben seines Verlags das zweitmeistverkaufte Buch im Programm. Nach der Veröffentlichung von Martensteins Kolumne sollen innerhalb kürzester Zeit 500 weitere Exemplare verkauft worden sein.
Für Alexander ist das kein Zufall, sondern Kalkül: Kubitschek habe gezielt ein „obskures französisches Buch” auf den deutschen Markt gebracht und geduldig darauf gewartet, dass seine Ideen in den Mainstream sickern.
Robin Alexanders Vorwurf an die Welt
In seinem Podcast beschreibt Alexander eine Art intellektuelle Langzeitstrategie der neuen Rechten: Ein Gedanke, der zunächst am Rand des Diskurses steht, findet über Jahre langsam den Weg in die Mitte – bis er schließlich in einer großen Mainstream-Zeitung erscheint, ohne dass dies als politisches Signal erkannt wird.
Die Abfolge, die Alexander rekonstruiert, liest sich wie folgt:
- 2015: Kubitschek verlegt den Roman neu; der frühere Spiegel-Journalist Matthias Matusek schreibt eine wohlwollende Rezension, die die Welt ablehnt.
- Matusek publiziert die Rezension stattdessen in der Schweizer Weltwoche.
- 2026: Nach den Bildern aus der spanischen Exklave Ceuta, wo zehntausende Menschen die Grenze überquerten, nimmt Martenstein den Roman als Einstieg für seine Kolumne in der Welt am Sonntag.
- Kubitschek wertet dies öffentlich als Erfolg: wichtiger als Wahlergebnisse oder Parteiposten sei der „Sieg der Ideen”.
Für Alexander ist die Welt damit zum „Erfüllungsgehilfen” einer rechtsintellektuellen Agenda geworden, ohne es zu merken oder zu wollen.
Persönlicher Konflikt und Abgang bei Springer
Der Angriff auf die Welt ist auch vor dem Hintergrund von Alexanders eigenem Abgang beim Axel Springer Verlag zu verstehen. Der Journalist war dort als Vize-Chefredakteur tätig; der Weggang verlief nach übereinstimmenden Berichten nicht reibungslos. Alexander soll den zunehmenden Rechtsdruck im Verlag als Mitgrund für seinen Abschied gesehen haben.
Bereits der Gastbeitrag von Elon Musk in der Welt, in dem dieser die AfD befürwortete, hatte intern für Spannungen gesorgt – der Beitrag war seinerzeit mit einem begleitenden Kommentar der Chefredaktion versehen worden, was in der Geschichte der Zeitung als ungewöhnlicher Vorgang gilt. Auch ein geplanter Gastbeitrag von Alexander Gauland soll in der Redaktion verhindert worden sein.
Verlags-Chef Matthias Döpfner, dem Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger vorgeworfen wird, weist diese Darstellungen vehement zurück.
Einordnung: Deutungshoheit im medialen Wandel
Kritiker werfen Alexander vor, mit seiner Deutung selbst politisch motiviert zu agieren. Er habe in seinem Buch Letzte Chance alles darauf gesetzt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz und die demokratische Mitte erfolgreich sein müssen – und prüfe nun jeden publizistischen Schritt anderer daran, ob er diesem Ziel nütze oder schade.
Zugleich verweist die Gegenseite darauf, dass die politische Landschaft sich grundlegend verändert habe: Was heute als rechte Position gelte, sei vor zwanzig oder dreißig Jahren Mainstream gewesen. Die Frage, welche Ideen legitim diskutiert werden dürfen, ist damit nicht zuletzt eine Frage darum, wer die Deutungshoheit im öffentlichen Diskurs besitzt – und ob etablierte Journalisten diese noch innehaben. Der Streit zwischen Robin Alexander und seiner früheren Zeitung dürfte diese Debatte in den kommenden Wochen weiter befeuern.
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