Dieses Video wurde am 13.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Irankonflikt entwickelt sich zum größten außenpolitischen Desaster der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Obwohl die USA das iranische Militär in den Kriegsmonaten Februar bis April 2026 schwer getroffen haben, hat Teheran mit der Sperrung der Straße von Hormus einen strategischen Trumpf ausgespielt, den Washington bislang nicht kontern konnte. Nahostexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik bringt es auf den Punkt: Die Amerikaner haben den Krieg militärisch gewonnen und letztendlich doch strategisch verloren.
Straße von Hormus: Irans entscheidender Schachzug
Der heiße Kriegsphase von Februar bis April 2026 hinterließ im Iran verheerende Schäden. Große Teile der politischen und militärischen Führung wurden ausgeschaltet, Raketen- und Drohnenarsenale schwer beschädigt. Das Atomprogramm war bereits im Junikrieg 2025 stark beeinträchtigt worden.
Doch dann vollzog Teheran einen Zug, den die US-Militärplaner offenbar nicht einkalkuliert hatten: Die Sperrung der Straße von Hormus und gezielte Angriffe auf die arabischen Golfstaaten Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman. Damit nahm Iran die wichtigsten Öl- und Gasförderländer der Region faktisch als Geiseln.
Die Folgen sind gravierend:
- Die Straße von Hormus ist seit Monaten weitgehend gesperrt
- Auch der Südeingang des Roten Meeres ist für saudi-arabische Öltanker kaum noch passierbar
- Die Benzinpreise in den USA stiegen auf über 4 Dollar pro Gallone
- Die Weltwirtschaft leidet unter dem blockierten Seeweg
- Teheran kontrolliert faktisch die Meerenge, auch wenn US-Streitkräfte präsent sind
Jeder weitere militärische Schlag gegen den Iran ändert an dieser strategischen Grundlage nichts mehr, so Steinbergs Einschätzung.
Trumps Nahostpolitik vor dem Scheitern
Der Irankonflikt ist nicht das einzige Problemfeld. Trumps ambitionierte Nahostagenda droht auf ganzer Linie zu scheitern. Drei zentrale Vorhaben liegen derzeit auf Eis:
Erstens: Die 60-tägige Übergangsfrist des im Juni unterzeichneten Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran ist abgelaufen, ohne dass ein Friedensabkommen in Sicht wäre. Zweitens: Israels Regierung lehnt die US-Roadmap für den Gazastreifen ab, die eine Demilitarisierung der Hamas und einen israelischen Rückzug vorsah. Drittens: Der verkündete Atomdeal mit Saudi-Arabien liegt auf Eis, weil Riad die nachträglich von Trump geforderte Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel verweigert.
Steinberg urteilt hart: Die Nahostpolitik der Trump-Administration ist nach anderthalb Jahren Amtszeit weitgehend gescheitert. Selbst die Abraham Accords der ersten Amtszeit, auf die Trump so stolz war, haben keine tragfähige regionale Ordnung hinterlassen.
Erschöpfte Soldaten und sinkende Zustimmung
Der Rückhalt für den Krieg erodiert auch in den USA selbst. Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung bei republikanischen Wählern: Während die MAGA-Kernwählerschaft noch hinter Trump steht, wenden sich traditionelle Republikaner zunehmend ab. Die gestiegenen Benzinpreise treffen einen empfindlichen Nerv der amerikanischen Öffentlichkeit.
Dazu kommt die Lage des US-Militärs: Ein Flugzeugträger ist seit Kriegsbeginn ununterbrochen in der Region im Einsatz, die Besatzung ist seit über 200 Tagen auf See. Berichte über Lebensmittelmangel, fehlende Hygieneartikel und Selbstmordversuche unter den Soldaten zeichnen ein düsteres Bild. Die strategischen Munitionsreserven, insbesondere Patriot-Abwehrraketen, wurden drastisch reduziert – ein Risiko, das Militärplaner auch mit Blick auf mögliche Konflikte in Ostasien beunruhigt.
Zeitspiel: Wer hat die besseren Karten?
Beide Seiten spielen auf Zeit, doch Steinberg sieht Teheran im Vorteil. Ein amerikanischer Präsident muss auf Umfragen, Kongress und Verbündete Rücksicht nehmen. Die iranische Führung hingegen kann wirtschaftliche Not und Versorgungsengpässe im eigenen Land ignorieren, solange sie ihre Machtbasis von zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung finanzieren und versorgen kann.
US-Vizepräsident JD Vance erklärte, man befinde sich „mitten im Spiel” und setze diplomatische, wirtschaftliche und militärische Werkzeuge ein. Steinberg hält diesen Optimismus für kaum gerechtfertigt. Ein gezielter Mordanschlagsplan des Irans auf Trump – der im Juli beim NATO-Gipfel in der Türkei zu einer dramatischen Evakuierung der Air Force One führte – erhöht den Einsatz zusätzlich, ändert aber an der strukturellen Schwäche der US-Position wenig.
Als einzigen realistischen Ausweg sieht Steinberg ein Verhandlungsergebnis, das für Washington schmerzhaft sein wird: mit weitreichenden Zugeständnissen an Teheran und der stillen Hoffnung auf eine inneriranische Schwächung. Eine iranische Vorherrschaft am Persischen Golf scheint näher denn je – und nur die anhaltende, aber innenpolitisch angeschlagene US-Präsenz hält sie noch auf.
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