Dieses Video wurde am 18.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
US-Präsident Donald Trump hat innerhalb weniger Tage gleich zwei außenpolitische Schockwellen ausgelöst: Gegenüber Oman erneuerte er seine Drohung mit einem Militärschlag, sollte das Land die laufenden Iran-Verhandlungen behindern. Gleichzeitig kündigte er an, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich zu reduzieren – eine Maßnahme, die Beobachter als direkte Bestrafung für mangelnde Unterstützung im Irankonflikt werten. Beide Entwicklungen zeigen, wie entgrenzt und unberechenbar Trumps Außenpolitik derzeit agiert.
Trump droht Oman: „In Schutt und Asche legen”
Trump richtete sich in ungewöhnlich scharfer Sprache gegen Oman, einen langjährigen Verbündeten der USA. Das Sultanat dürfe Verhandlungen mit dem Iran nicht behindern, andernfalls werde man es „in Schutt und Asche legen”, so der US-Präsident wörtlich. Es ist bereits die zweite derartige Drohung gegen Oman – im Mai hatte Trump schon einmal angekündigt, das Land zu „sprengen”.
Hintergrund ist die Rolle Omans als Vermittler im Streit um die Straße von Hormus, eine der weltweit bedeutendsten Handelsrouten für Öl und Gas. Der Iran beabsichtigt, für die Durchfahrt von Schiffen durch die Meerenge Gebühren zu erheben. Oman steht in Kontakt mit Teheran, um eine mögliche Aufteilung der Kontrolle über die Straße zu verhandeln – ein Vorhaben, das Trump als direktes Hindernis für seine Strategie sieht, den Iran wirtschaftlich weiter abzuriegeln.
Trump berichtete zudem von geheimen Gesprächen mit den iranischen Revolutionsgarden, betonte jedoch, eine schnelle Einigung nicht anzustreben. Für Analysten spricht aus seinen Äußerungen vor allem Frustration: Der Irankonflikt entwickelt sich nicht so, wie der Präsident es sich vorgestellt hatte.
Straße von Hormus: Wirtschaftliche Machtfrage
Die Straße von Hormus ist eine geopolitische Schlüsselstelle. Durch die schmale Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel wird ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gashandels abgewickelt. Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer.
- Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls passieren täglich die Straße von Hormus.
- Der Iran hat wiederholt mit einer Sperrung der Meerenge gedroht.
- Oman grenzt direkt an die Straße und gilt als traditioneller Vermittler in der Region.
- Eine Gebührenerhebung durch den Iran würde internationale Handelsströme empfindlich treffen.
Trumps Drohung gegen Oman ist vor diesem Hintergrund auch als Versuch zu verstehen, den wirtschaftlichen Druck auf Teheran aufrechtzuerhalten und jede Form der Legitimierung iranischer Kontrollansprüche zu verhindern.
Südkorea-Manöver: Bestrafung für fehlende Iran-Unterstützung
Nahezu gleichzeitig verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea zurückzufahren. Als Begründung nannte er, die Manöver seien zu teuer und stellten ein „unangemessenes und feindliches Signal” gegenüber Nordkorea dar. In demselben Post erwähnte Trump jedoch auch, dass Südkorea seiner Bitte um Unterstützung im Irankrieg nicht nachgekommen sei – eine direkte Verknüpfung, die als klare Strafmaßnahme gewertet wird.
Derzeit sind rund 28.500 US-Soldaten in Südkorea stationiert. Die Militärpräsenz gilt als zentrales Element der Sicherheitsarchitektur in der Region und ist Ausdruck einer seit Jahrzehnten bestehenden Allianz. Gleichzeitig pflegte Trump stets eine auffällig warme Beziehung zu Kim Jong Un, dem Machthaber Nordkoreas: In seiner zweiten Amtszeit lobte er ihn öffentlich in den höchsten Tönen und sprach davon, man sei „in Liebe miteinander verfallen”.
Die Botschaft an Seoul ist unmissverständlich: Wer sich dem US-Präsidenten widersetzt, muss mit Konsequenzen rechnen – auch wenn es sich um einen engen Verbündeten handelt.
Signalwirkung für die gesamte Region
Beide Vorgänge zusammen senden ein beunruhigendes Signal an Verbündete weltweit. Andere asiatische Staaten dürften die Entwicklung genau beobachten und ihre eigenen Positionen gegenüber Washington neu kalkulieren. Südkorea zeigt exemplarisch, was riskiert wird, wer sich nicht bedingungslos hinter den US-Präsidenten stellt.
Ob Trumps Doppelstrategie aus wirtschaftlicher Isolation des Iran und politischem Druck auf Vermittler wie Oman langfristig Früchte trägt, bleibt offen. Die Drohgebärden gegenüber einem Verbündeten wie Oman signalisieren jedoch, dass die Grenzen klassischer US-Außenpolitik zunehmend verschwimmen – mit unabsehbaren Folgen für die regionale Stabilität.
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