Kubicki: CDU/SPD-Koalition vor dem Aus
FDP-Chef Wolfgang Kubicki sieht die CDU/SPD-Koalition am Ende: Streit um Haushalt, Reformen und Zuckersteuer lassen die Regierung auseinanderbrechen.
Dieses Video wurde am 03.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Koalitionskrise zwischen CDU/CSU und SPD spitzt sich nach Einschätzung von Wolfgang Kubicki, dem Bundesvorsitzenden der FDP, dramatisch zu. Der erfahrene Parlamentarier sieht in der aktuellen Lage erschreckende Parallelen zum Zerbrechen der Ampelkoalition – und gibt der Regierung aus Union und Sozialdemokraten kaum noch eine realistische Chance, das Land nennenswert zu gestalten. „Was Vernünftiges wird da nicht mehr rauskommen”, lautet sein hartes Urteil über das Bündnis in Berlin.
Koalitionskrise: Überlebenskampf statt Gestaltungswille
Kubicki analysiert das Kernproblem der Koalition nüchtern: Beide Parteien kämpfen nicht mehr in erster Linie um gute Politik für Deutschland, sondern um ihr eigenes politisches Überleben. Die CDU/CSU liegt in Umfragen bei rund 19 Prozent, die SPD bei gerade einmal 12 Prozent – Werte, die existenzielle Ängste in beiden Lagern auslösen.
Die Konsequenz: Statt gemeinsamer Reformpolitik dominieren gegenläufige Wahlkampflogiken die Koalitionsarbeit. Die SPD setzt auf eine Bremserrolle bei Sozialstaatsreformen, um ihre Stammwähler nicht zu verprellen. Die Union hingegen steht unter Druck ihrer eigenen Abgeordneten und der Wirtschaft, endlich Reformen durchzusetzen – und verliert dabei die gemeinsame Linie mit dem Koalitionspartner.
Persönliche Verletzungen und Indiskretionen als Alarmsignal
Besonders besorgniserregend wertet Kubicki die zunehmend persönliche Dimension des Koalitionsstreits. Indiskretionen würden gezielt an die Öffentlichkeit gespielt, gegenseitige Rücktrittsfordering seien an der Tagesordnung:
- Auf SPD-Seite wird der Rücktritt von Gesundheitsministerin Katharina Reich gefordert.
- Aus der Union gibt es Forderungen nach einer Ablösung im gegnerischen Lager.
- Gezielte Indiskretionen vergiften das Klima zwischen den Koalitionspartnern nachhaltig.
- Persönliche Verletzungen auf Führungsebene erschweren Kompromissfindung zusätzlich.
„Sehr viel Porzellan ist zerschlagen”, so Kubicki. Er verweist auf eigene bittere Erfahrungen aus der Ampelzeit: Wer auf dieser Eskalationsstufe angekommen sei, finde zwischen den Koalitionären keinen gemeinsamen Weg mehr.
Haushalt und Streitthemen als mögliche Sollbruchstellen
Als konkrete Bruchpunkte benennt Kubicki vor allem den Bundeshaushalt und eine Reihe hochstrittiger Reformvorhaben. Finanzminister Lars Klingbeil kämpft noch immer mit erheblichen Deckungslücken – gelingt kein tragfähiger Haushaltsabschluss, dürfte das die Fliehkräfte innerhalb der Koalition weiter verstärken.
Auch inhaltliche Detailfragen illustrieren das Ausmaß der Blockade. Das Beispiel der geplanten Zuckersteuer – immerhin ein Volumen von 1,2 Milliarden Euro – zeigt exemplarisch, wie weit die Partner auseinanderliegen: Die Koalition hatte ausdrücklich keine Steuererhöhungen vereinbart, die Abgabe soll aber nun allgemeine Haushaltslücken schließen statt der Gesundheit zugute zu kommen. Hinzu kommt der Dauerstreit um die Arbeitszeitreform – der Übergang vom starren Acht-Stunden-Tag zur flexiblen Wochenarbeitszeit gilt als nahezu unlösbar, solange eine sozialdemokratische Sozialministerin den Konflikt mit den Gewerkschaften scheut.
Ausblick: Neuwahlen als wahrscheinlichstes Szenario?
Kubicki stellt auch die Frage nach Alternativen – und findet keine befriedigende Antwort. Eine Minderheitsregierung wäre wegen der Brandmauer gegen die AfD und des Unvereinbarkeitsbeschlusses gegen die Linke kaum handlungsfähig. Gleichzeitig beobachtet er, dass die Brandmauer nach links bereits bröckelt: In Thüringen kooperiert Ministerpräsident Mario Voigt mit der Linken, in Berlin zeigt die SPD laut Kubicki keine Hemmung mehr vor einer Zusammenarbeit mit einer Partei, der er Antisemitismus-Nähe vorwirft.
Der Bundespräsident hat bereits gemahnt, aus der Koalitionskrise dürfe keine Staatskrise werden. Kubicki teilt die Sorge, sieht aber keinen Ausweg aus dem Dilemma. Seine Prognose ist eindeutig: Bis Ende des Jahres oder Anfang des nächsten dürften die Fliehkräfte in beiden Parteien so groß sein, dass ein gemeinsames Regieren nicht mehr möglich ist. Für Deutschland bedeutet das: politische Unsicherheit auf unbestimmte Zeit.
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