Nasdaq 100 und S&P 500 auf Rekordniveau
Nasdaq 100 und S&P 500 erklimmen neue Rekorde – angetrieben vom KI-Boom. Doch steigende Anleiherenditen bleiben der größte Hemmschuh der Wall-Street-Rally.
Dieses Video wurde am 06.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Rally an der Wall Street setzt sich fort: Sowohl der Nasdaq 100 als auch der S&P 500 notieren auf Rekordniveau. Als wichtigster Treiber gilt der anhaltende Boom rund um künstliche Intelligenz, während sinkende Ölpreise zusätzlichen Rückenwind liefern. Der einzige Dämpfer bleibt das hartnäckig hohe Renditeniveau bei langlaufenden US-Staatsanleihen, das bei rund 5,3 Prozent verharrt und die Aufwärtsbewegung bremst.
Saisonale Muster und der Rückenwind im Oktober
Historische Trends in sogenannten Midterm-Jahren – also im Umfeld der US-Zwischenwahlen – legen nahe, dass der Aktienmarkt typischerweise Ende September seinen Tiefpunkt erreicht und sich ab Anfang Oktober erholt. Dieses Muster scheint sich zu bestätigen.
Rückläufige Ölpreise verstärken die positive Stimmung: WTI-Rohöl fiel unter die Marke von 88 US-Dollar, die europäische Sorte Brent unterschritt die 100-Dollar-Grenze. Ursächlich sind unter anderem Berichte über militärische Rückeroberungen im Jemen, die das Risiko für Ölexporte aus der Region mindern, sowie die Ankündigung der G7-Staaten und der Internationalen Energiebehörde, innerhalb von vier Monaten 100 Millionen Barrel Öl und Diesel freizusetzen.
Allerdings hat die historische Korrelation zwischen Ölpreis und Anleiherenditen an Wirkung verloren: Trotz fallender Energiepreise verharren die Renditen zehnjähriger US-Treasuries auf dem erhöhten Niveau – ein ungewöhnliches Signal, das die Märkte aufmerksam beobachten.
KI-Aktien treiben den S&P 500 – Marktbreite bleibt schmal
Laut einer Analyse von Goldman Sachs würde der S&P 500 ohne die großen KI- und Technologiewerte lediglich bei rund 6.900 Punkten notieren. Zwei Drittel des erwarteten Gewinnwachstums im dritten Quartal entfallen auf die zehn größten Technologieunternehmen im Index – bei einem erwarteten Gesamtwachstum von 27 Prozent für den S&P 500.
Diese schmale Marktbreite wirft eine zentrale Frage auf: Wird der breite Markt nach unten an die schwache Entwicklung der übrigen Sektoren angepasst – oder zieht die Marktbreite nach oben mit? Zinssensitive Sektoren wie Finanzen, Konsumgüter, Versorger und Immobilien haben zuletzt stark korrigiert. Technische Indikatoren wie der RSI, die 200-Tage-Linie und die Bollinger Bänder signalisieren für diese Bereiche inzwischen überkaufte Verkaufssignale – und damit möglicherweise eine Chance auf eine Gegenbewegung.
Rekordprognosen aus der KI-Industrie
Die Unternehmensseite sendet durchweg bullische Signale. Auf seinem Analystentag präsentierte Marvell Technology ambitionierte Ziele: Bis zum Fiskaljahr 2031 sollen die Umsätze auf rund 80 Milliarden US-Dollar steigen – fast doppelt so hoch wie die bisherige Konsensschätzung von 43 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal werden 3,1 Milliarden Dollar Umsatz erwartet.
Weitere Datenpunkte aus der Branche untermauern die Wachstumsthese:
- Die globalen Data-Center-Investitionen der Techindustrie sollen 2025 rund 700 Milliarden Dollar erreichen und bis 2030 auf 3 Billionen Dollar anwachsen.
- Taiwan Semiconductor meldete ein Umsatzwachstum von 47 Prozent im Jahresvergleich.
- Samsung Electronics wird ein Umsatzplus von 134 Prozent und ein Wachstum des operativen Gewinns von rund 800 Prozent erwartet.
- AMD-CEO kündigte eine deutliche Ausweitung der Produktionskapazitäten für 2027 an – trotz anhaltend hoher Nachfrage bleibt das Marktgleichgewicht gestört.
- Constellation Energy profitiert von einem milliardenschweren Mehrjahresvertrag zur Lieferung von Atomstrom an Google.
Auch auf der Finanzierungsseite zeigt sich die Dynamik: Ein 60-Milliarden-Dollar-Schuldenpaket von Broadcom und Anthropic – besichert durch Google-Chips – wird von Banken zur Platzierung bei Investoren angeboten. Das chinesische KI-Startup DeepSeek plant einen Börsengang Anfang 2027 und strebt dabei eine Kapitalaufnahme von 12 Milliarden Dollar an.
Europa im Fokus: Frankreichs Renditen als Risikofaktor
Auch aus Europa kommen relevante Impulse. In Frankreich plant Marine Le Pen einen umfangreichen Fiskalkonsolidierungsplan, der das Haushaltsdefizit bis 2032 auf unter drei Prozent senken soll. Der Chef der französischen Zentralbank bezeichnete den jüngsten Anstieg der Anleiherenditen als „ernsthaft und beängstigend” – ein Warnschuss für die Finanzmärkte.
Parallel dazu wird in Fachkreisen diskutiert, ob die EZB ihr Programm zur quantitativen Straffung (Quantitative Tightening) pausieren sollte, um die Märkte zu stabilisieren. Morgan Stanley hatte zuletzt betont, dass bereits eine Stabilisierung der Renditen ausreiche, um den Aktienmärkten weiteren Auftrieb zu geben.
Die Lage bleibt damit vielschichtig: Der KI-Sektor liefert starke Wachstumssignale, die fundamentale Substanz der Indexgewinne untermauern – doch die hartnäckig hohen Anleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks bleiben das bestimmende Risiko für die Fortsetzung der Hausse. Wie die beginnende Berichtssaison für das dritte Quartal die Erwartungen bestätigt oder enttäuscht, dürfte die Richtung in den kommenden Wochen maßgeblich beeinflussen.
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