Ulrich Siegmund kandidiert als Ministerpräsident im Dezember
AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund stellt sich im Dezember in Magdeburg zur Wahl als Ministerpräsident – doch für eine Mehrheit fehlen ihm drei Stimmen.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem klaren Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat Fraktionschef Ulrich Siegmund seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten offiziell bestätigt. Im Dezember wird sich Siegmund als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag in Magdeburg zur Wahl stellen – ein historischer Moment, denn es wäre das erste Mal, dass ein AfD-Politiker in Deutschland dieses Amt anstrebt. Die AfD-Fraktion stimmte dem Schritt einstimmig zu, der genaue Ausgang bleibt jedoch offen: Für eine absolute Mehrheit fehlen Siegmund drei Stimmen.
Siegmund tritt an – Fraktion steht geschlossen hinter ihm
Nach einer Fraktionssitzung der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt erklärte Ulrich Siegmund am Nachmittag des 29. September 2026: „Ich stelle mich zur Wahl.” Zuvor hatte die Fraktion einstimmig den Kandidaten für das Amt des Landtagspräsidenten bestimmt: Tobias Rausch erhielt alle 39 von 39 möglichen Stimmen. Er soll bereits in der konstituierenden Sitzung am 6. Oktober, dem nächsten Dienstag, zum ersten AfD-Landtagspräsidenten in ganz Deutschland gewählt werden.
Siegmund selbst tritt bewusst erst im Dezember an – nach den Parteitagen des BSW. Eine Minderheitsregierung schloss er ausdrücklich aus. Der Zeitplan ist damit eng, aber kalkuliert: Zunächst sollen die politischen Verhältnisse im Landtag sondiert und Gesprächsformate etabliert werden.
Das Stimmen-Problem: Woher kommen die fehlenden drei Stimmen?
Für eine absolute Mehrheit benötigt Ulrich Siegmund mindestens 42 Stimmen – seine Fraktion zählt jedoch nur 39 Mitglieder. Das BSW als einzige Fraktion, die derzeit überhaupt Gespräche mit der AfD führt, hat klargestellt, dass die fünf eigenen Abgeordneten Siegmund nicht wählen, sich aber bei der Abstimmung enthalten werden.
Damit bleibt die entscheidende Frage offen: Woher sollen die fehlenden Stimmen kommen? Politikberaterin Antja Hermenau, zugeschaltet aus Dresden, verwies darauf, dass bei geheimer Abstimmung immer mit Überraschungen zu rechnen sei. Sie erinnerte an frühere Landtagswahlen in Sachsen, bei denen das Abstimmungsverhalten einzelner Abgeordneter hinter verschlossenen Kabinentüren von den öffentlichen Ankündigungen abwich.
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Normalisierung oder Brandmauer? Die politische Lage in Magdeburg
Dass AfD und BSW sich auf die Besetzung der Landtagsspitze verständigt haben, wird von Beobachtern als erstes Signal einer möglichen Zusammenarbeit gewertet. Max Roland, Politikchef von Apollo News, betonte, dass die Besetzung von Landtagspräsidien durch die AfD in einer funktionierenden Demokratie längst selbstverständlich sein sollte: Die Partei ist seit rund zehn Jahren in Landtagen vertreten, war aber bisher nirgendwo im Präsidium verankert – mit Ausnahme des sächsischen Landtags, der den AfD-Vizepräsidenten bereits seit einigen Legislaturperioden mitträgt.
Hermenau sieht in der aktuellen Lage eine Chance: Solange das BSW keine voreiligen Entscheidungen treffe und CDU sowie SPD gesprächsbereit blieben, könne der Landtag in Magdeburg an Lebendigkeit gewinnen. Sie mahnte allerdings, das BSW neige dazu, Verantwortung zu scheuen und zwischen den politischen Lagern zu pendeln.
Sachsen-Anhalt als Blaupause? Ausblick auf den Dezember
Sollte Ulrich Siegmund im Dezember tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt werden, wäre Sachsen-Anhalt das erste Bundesland mit einer AfD-geführten Landesregierung. Ob das als Rollenmodell für den Bund taugt, ist politisch umstritten – die Intention der AfD-Wählerschaft sei es jedenfalls gewesen, so Roland.
Scheitert die Wahl hingegen, bleibt Sven Schulze (CDU) als geschäftsführender Ministerpräsident im Amt – ohne klares Enddatum. Kritiker sehen darin ein demokratisches Problem, weil Schulze eine mögliche Machtübergabe bisher offenließ. Der Dezember wird zeigen, ob Sachsen-Anhalt tatsächlich Geschichte schreibt oder ob die politische Blockade anhält.
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