Dieses Video wurde am 17.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wer im Wahlkampf anderen mangelnden Respekt vorwirft, sollte die eigene Sprache im Blick behalten. Genau das wird derzeit CDU und SPD vorgehalten: Beide Parteien greifen auf Begriffe zurück, die politische Gegner – konkret AfD-Anhänger und AfD-Wähler – mit Naturkatastrophen oder Schädlingen gleichsetzen. Die Debattenkultur in Deutschland leidet darunter, und der offensichtliche Widerspruch zwischen erhobener Forderung und gelebter Praxis verdient eine genauere Betrachtung.
„Schädlingsbekämpfung” als politisches Argument
Ein Wahlkampfauftritt sorgt für Aufsehen: Ein CDU-Frontmann empfiehlt seinen Anhängern, erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung zu sein – und erklärt auf Nachfrage, sein Rezept sei schlicht, nicht AfD zu wählen. Die Botschaft dahinter ist klar, die Wortwahl jedoch hochproblematisch.
Menschen als Schädlinge zu bezeichnen, weil sie einer bestimmten Partei angehören oder diese wählen, stellt eine drastische Abwertung dar. Der zentrale Vorwurf gegen die AfD lautet bekanntlich, sie achte die Menschenwürde nicht hinreichend. Wer diesen Vorwurf erhebt und gleichzeitig Mitbürger mit Ungeziefer vergleicht, bewegt sich in einem offenkundigen Widerspruch.
SPD in Sachsen-Anhalt: Menschen als „blaue Flut”
Auch aus den Reihen der SPD Sachsen-Anhalt klingen ähnliche Töne. Ein Wahlkampfauftritt bedient sich der Deich-Metapher: Man wisse in Sachsen-Anhalt, was zu tun sei, wenn die Flut komme – zusammenstehen, kämpfen, damit die Deiche hielten. Der Schluss: „Diesmal sind wir der Deich gegen die blaue Welle.”
Was als kämpferisches Bild gemeint ist, setzt AfD-Wähler mit einer Naturkatastrophe gleich – mit etwas Zerstörerischem, das es aufzuhalten gilt. Fluten richten Schäden an, sie bedrohen Leben und Existenzen. Wählerinnen und Wähler – auch jene, deren Entscheidung man ablehnt – sind Menschen mit politischen Überzeugungen, keine Naturgewalt.
- CDU-Wahlkampfauftritt: AfD-Wähler als Ziel von „Schädlingsbekämpfung”
- SPD Sachsen-Anhalt: AfD-Wähler als „blaue Flut”, gegen die ein Deich errichtet werden müsse
- Beide Formulierungen entmenschlichen politische Gegner sprachlich
- Beide Parteien werfen der AfD gleichzeitig mangelnde Achtung der Menschenwürde vor
Der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Es geht nicht darum, ob man die AfD gut findet oder nicht. Wahlfreiheit und das Recht auf politische Überzeugungen gehören zu den Grundpfeilern der Demokratie. Wer diese Freiheit in Anspruch nimmt, darf das – unabhängig davon, welche Partei er wählt.
Was jedoch auffällt: Parteien, die anderen Haltungsnoten in Sachen Menschenwürde ausstellen, ziehen sich durch derartige Formulierungen selbst den Boden unter den Füßen weg. Flutwellen, Deiche, Schädlinge – das ist die Sprache der Ausgrenzung, nicht des demokratischen Diskurses.
Wer glaubwürdig für eine respektvolle politische Auseinandersetzung eintreten will, muss diesen Anspruch auch in der eigenen Wortwahl einlösen. Daran scheitern derzeit nicht nur kleine Akteure, sondern Volksparteien im laufenden Wahlkampf.
Ausblick: Was gute Debattenkultur leisten müsste
Eine lebendige demokratische Debattenkultur lebt davon, dass Argumente ausgetauscht, Unterschiede benannt und Positionen kritisiert werden – ohne die Menschen dahinter zu entwürdigen. Das gilt für alle politischen Lager gleichermaßen.
Wer in der öffentlichen Auseinandersetzung Glaubwürdigkeit beansprucht, muss mit gutem Beispiel vorangehen. Das bedeutet: respektvollen Umgang nicht nur einfordern, sondern vorleben. Andernfalls bleibt der Vorwurf an den politischen Gegner eine hohle Geste – und der Schaden für das politische Klima in Deutschland wächst weiter.
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