Dieses Video wurde am 17.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der GLP-1-Markt für Medikamente gegen Übergewicht und Diabetes gehört zu den am schnellsten wachsenden Segmenten der globalen Pharmabranche. Analysten und Banken taxieren das Marktvolumen auf 130 bis 150 Milliarden US-Dollar bis in die frühen 2030er Jahre. Was als Zufallsentdeckung bei der Diabetesforschung begann, hat sich zu einem der bedeutendsten Wachstumsthemen für Investoren entwickelt – mit enormen Chancen, aber auch erheblichen Risiken.
Vom Diabetesmittel zum Blockbuster: Wie der GLP-1-Boom entstand
Seit Jahrzehnten gilt Novo Nordisk als Primus im Bereich Diabetes und Insulinpräparate. Das über 100 Jahre alte dänische Unternehmen entwickelte gemeinsam mit dem US-Konzern Eli Lilly neue Diabetesmedikamente – und entdeckte dabei zufällig, dass die sogenannten GLP-1-Wirkstoffe auch einen deutlichen Effekt auf das Körpergewicht haben.
Dieser Nebeneffekt wurde zur Hauptstory. Beide Unternehmen verfeinerten ihre Produkte für zwei Indikationen: Diabetesbehandlung und Gewichtsreduktion. Heute teilen sich Novo Nordisk und Eli Lilly den GLP-1-Markt nahezu vollständig auf – als einzige Anbieter mit behördlich zugelassenen Produkten in dieser Wirkstoffklasse.
Die Dynamik hat sich dabei klar verschoben: Während Novo Nordisk in den vergangenen Quartalen Marktanteile verloren hat und für das laufende Jahr sogar mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang von bis zu 6 Prozent gerechnet wird, wächst Eli Lilly zweistellig. Der US-Konzern wird 2025 voraussichtlich rund 88,5 Milliarden US-Dollar erlösen – fast eine Verdopplung gegenüber 2024 – und hat mittlerweile eine Börsenbewertung von über einer Billion Dollar erreicht.
Abnehmpille als Wachstumstreiber im GLP-1-Markt
Ein zentrales Thema ist die Einführung von Abnehmpillen als Alternative zur Injektion. Novo Nordisk bietet seinen bewährten Wirkstoff Semaglutid inzwischen auch in Tablettenform an. Eli Lilly hat mit Orpoglibron einen anderen Wirkstoff in seiner Pille verarbeitet, während die Injektionsvariante den Wirkstoff Tirzepatid enthält.
Experten schätzen, dass künftig rund 30 Prozent des gesamten Gewichtssenker-Markts auf oralen Präparaten basieren werden. Die Injektionsvarianten behalten dennoch ihre Daseinsberechtigung, da Wirkstoffe bei intravenöser Verabreichung vom Körper effizienter aufgenommen werden und dadurch oft stärker wirken.
- Novo Nordisk: Semaglutid – identischer Wirkstoff in Spritze und Pille
- Eli Lilly: Tirzepatid (Spritze) vs. Orpoglibron (Pille)
- Marktanteil Tabletten: Schätzungsweise bis zu 30 % langfristig
- Spritzen bleiben wegen besserer Bioverfügbarkeit relevant
Neue Wettbewerber und spekulative Chancen
Die großen Pharmakonzerne haben den Wachstumsmarkt erkannt und drängen mit Lizenzdeals und Übernahmen in den Sektor. Roche hat das Unternehmen KMOT übernommen und einen Wirkstoff von der dänischen Sealand Pharma einlizenziert – und ist damit bereits in Phase 3 der klinischen Entwicklung. Auch AstraZeneca, Merck & Co sowie AbbVie – letzteres mit einem Deal mit der dänischen Gubra – haben sich positioniert.
Gubra gilt als besonders interessanter Kandidat im Small-Cap-Bereich. Das Unternehmen setzt auf einen Lizenzierungsansatz: Wirkstoffe werden bis zur Phase 2 entwickelt und dann an größere Partner ausgelizenziert. Mit dem Wirkstoffkandidaten GUP-UCN2 zielt Gubra auf einen nachhaltigen Gewichtsverlust mit möglichst geringem Muskelmasseverlust – ein Ansatz, der bisherige Nebenwirkungen wie Übelkeit und gastrointestinale Beschwerden reduzieren soll.
Ebenfalls im Blick von Investoren: Structure Therapeutics, das eine Abnehmpille entwickelt und als potenzieller Übernahmekandidat gilt.
Für Anleger gilt: Kleinere Biotech-Unternehmen ohne zugelassene Produkte sind deutlich spekulativer einzustufen. Studienrückschläge, Zulassungsprobleme oder Produktionshürden können Kurse empfindlich treffen.
Zulieferer und die zweite Reihe: Wer sonst profitiert
Unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs zwischen den Pharmariesen gibt es Profiteure in der Lieferkette. GLP-1-Präparate werden über Autoinjektoren – spezielle Pens mit Glaskammern – verabreicht. Hersteller solcher Systeme profitieren vom Boom unabhängig davon, welches Pharmaunternehmen sich durchsetzt.
In Deutschland ist Schott Pharma in diesem Segment aktiv und sieht langfristig erhebliches Wachstumspotenzial. Auch Gerresheimer ist im Bereich Autoinjektoren tätig, kämpft jedoch aktuell mit Schuldenproblematik und Bilanzverschiebungen – ein Risikofaktor, den Anleger einkalkulieren sollten.
Langfristig sprechen strukturelle Trends für den GLP-1-Markt: wachsende Weltbevölkerung, demografischer Wandel und eine steigende Adipositasrate in allen Altersgruppen. Immer mehr Gesundheitssysteme dürften die Kostenübernahme für entsprechende Medikamente ausweiten – ein weiterer Wachstumstreiber für die gesamte Branche. Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen; welche Unternehmen langfristig die Nase vorne haben werden, bleibt offen.
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