Dieses Video wurde am 17.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Jedes Jahr im Spätsommer vollzieht sich über der türkischen Provinz Hatay eines der beeindruckendsten Naturschauspiele der Vogelwelt: Hunderte von Störchen ziehen in mächtigen Schwärmen über Städte und Dächer hinweg, auf ihrem Weg von Europa in Richtung Afrika. Der Störchenzug über der Stadt Iskenderun hat in diesem Jahr erneut spektakuläre Bilder geliefert, die weltweit für Aufsehen sorgen.
Der Störchenzug – eine jahrtausendealte Route
Störche gehören zu den bekanntesten Zugvögeln Europas. Alljährlich machen sie sich im Spätsommer auf eine tausende Kilometer lange Reise in ihre afrikanischen Winterquartiere südlich der Sahara. Dabei folgen sie uralten, genetisch verankerten Flugrouten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Die östliche Zugroute führt die Vögel von ihren europäischen Brutgebieten durch den Balkan und die Türkei weiter nach Südosten. Die Türkei ist dabei kein Zufall: Die geografische Lage des Landes macht es zu einem unverzichtbaren Nadelöhr zwischen zwei Kontinenten.
Hatay: Wichtiger Knotenpunkt auf der Vogelzug-Landkarte
Die südtürkische Provinz Hatay gilt als einer der bedeutendsten Durchgangspunkte für Zugvögel auf der Ost-Route zwischen Europa und Afrika. Die Lage am östlichen Mittelmeer, eingeklemmt zwischen dem Meer und dem Amanos-Gebirge, kanalisiert die ziehenden Vögel förmlich durch einen engen Korridor – was die Schwarmdichten besonders hoch und das Spektakel besonders eindrucksvoll macht.
Typisch für den Störchenzug durch Hatay sind unter anderem folgende Merkmale:
- Schwärme von teils mehreren Hundert bis Tausend Tieren gleichzeitig
- Flüge in sehr geringer Höhe über bewohnten Gebieten
- Nutzung von Thermik – aufsteigender Warmluft – zum energiesparenden Gleiten
- Konzentration der Züge auf die Morgenstunden, wenn die Luft sich erwärmt
- Regelmäßige Rast- und Sammelplätze in der Region
Thermik als Treibstoff: Wie Störche Energie sparen
Störche sind keine ausdauernden Ruderflieger wie etwa Schwalben oder Mauersegler. Stattdessen sind sie auf aufsteigende Warmluft, sogenannte Thermik, angewiesen, um weite Strecken zurückzulegen. Sie kreisen in den warmen Luftsäulen spiralförmig in die Höhe und gleiten anschließend in die nächste Thermikblase – ein hocheffizientes System, das kaum Muskelkraft erfordert.
Genau deshalb meiden Störche große Wasserflächen wie das Mittelmeer, über denen keine Thermik entsteht, und nutzen stattdessen Landbrücken wie die Türkei oder die Straße von Gibraltar für den Kontinentwechsel. Die Region Hatay liegt direkt auf diesem thermikreichen Landweg – ein natürlicher Vorteil, der die Provinz zu einem Fixpunkt im Zugkalender der Vögel macht.
Naturschauspiel für die Bewohner Hatays
Für die Menschen vor Ort sind die jährlichen Störchenschwärme mittlerweile ein fest eingeplantes Ereignis. Innerhalb weniger Minuten verwandelt sich der Himmel über Iskenderun in ein lebendiges Spektakel aus Tausenden weißer Flügel. Viele Bewohner halten das Naturereignis mit ihren Smartphones fest.
Der Vogelzug erinnert gleichzeitig daran, wie wichtig der Erhalt natürlicher Lebensräume entlang der Zugrouten ist. Feuchtgebiete, Wiesen und unbebaute Rastflächen sind überlebenswichtig für die Tiere – sowohl in Europa als auch entlang der gesamten Route bis tief nach Afrika. Naturschützer betonen, dass der Schutz dieser Korridore angesichts von Klimawandel und fortschreitendem Landverbrauch drängender wird denn je.
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