Hohe Benzinpreise: Experte erklärt die Lage
Energieexperte Frank Umbach erklärt, warum die hohen Benzinpreise anhalten und welche Maßnahmen der Bundesregierung wirklich helfen könnten.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Benzinpreise in Deutschland bleiben auf hohem Niveau – und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Energiesicherheitsexperte Frank Umbach erklärt, welche geopolitischen Faktoren die Kraftstoffversorgung belasten, warum Deutschland indirekt von Konflikten am Persischen Golf betroffen ist und welche politischen Maßnahmen kurzfristig tatsächlich Entlastung bringen könnten. Die Bundesregierung steht unter Druck – auch mit Blick auf bevorstehende Wahlen.
Versorgungslage: Deutschland indirekt betroffen
Die unmittelbare Versorgung mit Kraftstoff und Energie in Deutschland ist nach Einschätzung von Frank Umbach derzeit nicht akut gefährdet. Deutschland bezieht weniger Öl und Flüssiggas (LNG) aus der Golfregion als etwa asiatische Staaten, die von den dortigen Entwicklungen deutlich stärker betroffen sind.
Dennoch wirken sich steigende Weltmarktpreise auch hierzulande spürbar aus. Die geopolitische Lage lässt kaum Hoffnung auf kurzfristige Entspannung: Solange der bewaffnete Konflikt in der Region anhält und ein zweites maritimes Nadelöhr blockiert bleibt, ist eine Beruhigung der Märkte nicht absehbar. Regierungen weltweit müssten sich auf anhaltend hohe Energiepreise einstellen.
Straße von Hormus: Engpass mit globalen Folgen
Ein zentrales Problem ist die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gashandels fließt. Im Juli und August gelang es US-amerikanischen Kräften, mehr Schiffe durch die Meerenge zu lotsen – unter anderem, indem GPS-Systeme abgeschaltet wurden, um eine genaue Zählung durch kommerzielle Anbieter zu erschweren. Das half, einen noch stärkeren Preisanstieg beim Öl zu verhindern.
Anders sieht es beim Flüssiggas aus: Katar, der zweitgrößte LNG-Exporteur der Welt, konnte kaum Schiffe durch die Straße schleusen. Sollte sich die Lage dort nicht verbessern, droht ein erheblicher Ausfall katarischer LNG-Exporte auf dem Weltmarkt. Das verschärft den globalen Wettbewerb um Flüssiggas – besonders problematisch mit Blick auf den kommenden Winter.
Umbach warnt: Sollte eine dritte geopolitische Krise hinzukommen und der Winter kalt ausfallen, könnte die Versorgungslage in Deutschland tatsächlich brisant werden.
Gasspeicher und die zögerliche Bundesregierung
Auch beim Thema Gasspeicher gerät die Bundesregierung in die Kritik. Sie hatte bislang gezögert, die Speicher vollständig zu befüllen – in der Hoffnung, dass sich die Lage am Gasmarkt entspannen würde. Diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt.
Die Konsequenz: Nachfüllungen zu jetzt höheren Preisen könnten die Energiekosten für Verbraucher und Industrie weiter belasten. Experten sehen darin ein Versäumnis, das die Versorgungssicherheit für den Winter unnötig gefährdet.
Benzinpreise senken: Welche Maßnahmen helfen wirklich?
Aus den Reihen der Bundesregierung und der Regierungsparteien kursieren derzeit mehrere Vorschläge zur Entlastung der Verbraucher an der Zapfsäule:
- Senkung der Kraftstoffsteuer
- Anrechnung der Mehrbelastung auf die Einkommensteuer
- Gezielte Entlastung bestimmter Berufsgruppen durch Wirtschaftsministerin Reiche
- Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, vorgeschlagen von der SPD
- Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe nach polnischem Vorbild (dort auf 8 %)
Umbach bewertet jede dieser Maßnahmen mit Vor- und Nachteilen. Eine Anrechnung auf die Einkommensteuer etwa würde sich erst bei der nächsten Steuererklärung bemerkbar machen – und damit nicht kurzfristig im Portemonnaie der Verbraucher ankommen.
Als wirksamste Sofortmaßnahme gilt die Senkung der Mehrwertsteuer, die unmittelbar an der Zapfsäule spürbar wäre. Allerdings müsste eine solche Maßnahme gegenfinanziert werden – und hier kommt die Diskussion über eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ins Spiel. Dass diese die Krisensituation zu ihren Gunsten genutzt haben, zeigt sich laut Umbach daran, wie schnell die Preise bei geopolitischer Entspannung wieder angepasst werden – oder eben nicht.
Die politische Debatte über Benzinpreise und Energieversorgung dürfte in den kommenden Wochen weiter an Fahrt gewinnen. Ob die Bundesregierung noch vor dem Wochenende konkrete Maßnahmen ankündigt oder umsetzt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die Kombination aus geopolitischen Risiken, angespannten Energiemärkten und politischem Handlungsdruck macht die Lage zu einer der komplexesten energiepolitischen Herausforderungen der jüngeren Zeit.
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