Linke im Streit um Ferat Koçak und Antisemitismus
Mehr als 130 Unterzeichner stellen sich mit einem offenen Brief hinter Ferat Koçak – trotz Antisemitismus- und Clan-Vorwürfen gegen den Neuköllner Linke-Politiker.
Dieses Video wurde am 07.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Linkspartei steckt in einem handfesten internen Konflikt: Mehr als 130 Unterzeichner haben einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie sich hinter den Berliner Linke-Politiker Ferat Koçak und die Neuköllner Parteigliederung stellen – obwohl gegen den 47-Jährigen schwere Vorwürfe wegen Antisemitismus und Verbindungen ins Berliner Clan-Milieu im Raum stehen. Der Brief bezeichnet die Kritik an Koçak als „rechte Hetzkampagne” und befeuert damit eine Debatte, die die Partei tief zu spalten droht.
Vorwürfe gegen Ferat Koçak: Clan-Kontakte und Foto mit radikalem Aktivisten
Ferat Koçak steht seit mehreren Wochen im Fokus parteiinterner und öffentlicher Kritik. Auslöser sind zwei zentrale Vorwürfe: Zum einen soll der Neuköllner Politiker Kontakte ins Berliner Clan-Milieu unterhalten haben. Zum anderen sorgte ein Foto für Aufsehen, das Koçak gemeinsam mit einem radikalen pro-palästinensischen Aktivisten zeigt.
Beide Vorfälle werden von Teilen der Partei als klare Grenzüberschreitung gewertet. Kritiker sehen darin eine Verharmlosung von Antisemitismus und eine problematische Nähe zu extremistischen Kreisen. Koçak selbst und seine Unterstützer weisen die Vorwürfe zurück und sprechen von einer gezielten politischen Kampagne gegen ihn und die Neuköllner Linke.
Offener Brief: Solidarität trotz schwerer Kritik
Der veröffentlichte offene Brief macht deutlich, wie tief die Gräben in der Partei verlaufen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner stellen sich nicht nur hinter Koçak, sondern fordern auch, das laufende Parteiausschlussverfahren gegen die pro-palästinensische Aktivistin Hannah Brunskow zu stoppen.
Zu den Unterzeichnern gehört unter anderem der bekannte Satiriker El Hotzo, der damit öffentlich Position in dem parteiinternen Streit bezieht. Das breite Bündnis der Unterstützer zeigt, dass Koçak trotz der Vorwürfe weiterhin einen relevanten Rückhalt in linken Kreisen genießt.
- Mehr als 130 Unterzeichner stützen den offenen Brief
- Satiriker El Hotzo gehört zu den prominenten Mitunterzeichnern
- Der Brief fordert den Stopp des Verfahrens gegen Hannah Brunskow
- Die Unterzeichner werten die Kritik an Koçak als „rechte Hetzkampagne”
Gegenwind aus den eigenen Reihen: Gruppe gegen Antisemitismus fordert Klarheit
Innerhalb der Linkspartei regt sich jedoch auch deutlicher Widerspruch gegen den offenen Brief und die dahinterstehende Haltung. Eine parteiinterne Gruppe der Linkspartei gegen Antisemitismus fordert, das Problem offen anzusprechen und klar zu benennen, anstatt Kritik reflexartig als Hetze abzutun.
Diese Gruppe sieht in der Verteidigung Koçaks eine gefährliche Verharmlosung von Antisemitismus innerhalb der eigenen Partei. Sie mahnt an, dass eine glaubwürdige linke Politik eine unmissverständliche Haltung gegen jede Form von Antisemitismus erfordere – auch und gerade dann, wenn die Vorwürfe Personen aus dem eigenen politischen Lager träfen.
Der Konflikt offenbart ein grundsätzliches Dilemma: Wie geht die Linkspartei mit dem Spannungsfeld zwischen pro-palästinensischem Engagement und der Abgrenzung gegenüber antisemitischen Positionen um? Eine einheitliche Antwort scheint die Partei derzeit nicht zu finden.
Einordnung: Symptom einer tieferen Identitätskrise
Der Streit um Ferat Koçak ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine ideologische Zerreißprobe, mit der die Linkspartei seit geraumer Zeit zu kämpfen hat. Die Auseinandersetzung über den Umgang mit Antisemitismus, Nahostkonflikt und Parteidisziplin führt die Partei immer wieder an ihre Grenzen.
Ob der offene Brief die Situation für Koçak entspannt oder die innerparteilichen Fronten weiter verhärtet, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Debatte über Antisemitismus und politische Grenzen innerhalb der Linken ist mit diesem Vorgang erneut in den Mittelpunkt gerückt – und wird die Partei in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
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