Anleihemarkt unter Druck: DAX und Renditen
Der weltweite Ausverkauf am Anleihemarkt treibt Renditen auf Mehrjahreshochs. Was das für DAX, Bauzinsen und Anlegerportfolios bedeutet – ein Überblick.
Dieses Video wurde am 15.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der weltweite Anleihemarkt Ausverkauf verschärft sich und setzt Aktienmärkte rund um den Globus unter Druck. In den USA kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 5,025 Prozent – der höchste Stand seit der Finanzkrise 2007. Auch in Japan und Deutschland steigen die Renditen auf Mehrjahreshochs. Als zentrale Treiber gelten Inflationssorgen infolge des Irankrieges, ein hohes Angebot an Staats- und Unternehmensanleihen sowie Bedenken über die langfristige Haushaltspolitik der USA. Der DAX verlor zeitweise deutlich an Boden, konnte sich von den Tagestiefs jedoch leicht erholen und notierte zuletzt mit einem Minus von rund 0,14 Prozent.
Rekordrenditen in Deutschland, Japan und den USA
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf 3,57 Prozent – den höchsten Wert seit 2009. Noch Ende Februar lag die Rendite bei rund 2,6 Prozent. Der Anstieg um fast einen ganzen Prozentpunkt innerhalb weniger Monate hat weitreichende Konsequenzen.
Besonders spürbar wird dies für Immobilienkäufer und Bauherren in Deutschland, da sich die Bauzinsen an den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen orientieren. Wer aktuell ein Darlehen aufnimmt, zahlt damit deutlich mehr als noch zu Jahresbeginn.
In Japan erreichten die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen mit 3,02 Prozent ein neues 30-Jahres-Hoch. Der gleichzeitige Anstieg in allen großen Volkswirtschaften zeigt, dass es sich um ein globales Phänomen handelt – nicht um ein Problem einzelner Länder.
Ölpreis und Irankonflikt als Inflationstreiber
Ein zentraler Auslöser der Renditeanstiege ist der infolge des Irankrieges stark gestiegene Ölpreis. Dieser befeuert die Inflation und zwingt Notenbanken weltweit zum Handeln. Kurzfristig sind weitere Preisanstiege beim Öl nicht ausgeschlossen.
Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege Deutschland bei der UBS, rechnet jedoch mit einer baldigen Stabilisierung: Sowohl die USA als auch der Iran hätten erhebliche wirtschaftliche Anreize, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Auf US-Seite rücken die Midterm Elections näher, was den Druck erhöhe. Ein Ölpreis von dauerhaft über 150 US-Dollar würde zudem die wirtschaftlichen Schäden so massiv ausweiten, dass militärische Reaktionen wahrscheinlicher würden – ein Szenario, das beide Seiten vermeiden wollen.
Fed-Zinsentscheidung und Folgen für die Märkte
Die US-Notenbank Federal Reserve wird die Zinsen voraussichtlich erneut anheben – trotz wiederholter Forderungen von US-Präsident Trump nach Zinssenkungen. Aus Sicht der UBS ist diese Zinserhöhung aus rein wirtschaftlicher Sicht zwar nicht zwingend nötig, da die Kerninflation – also ohne Energie- und Lebensmittelpreise – zuletzt auf den niedrigsten Stand seit der Covid-Pandemie gefallen ist.
Der eigentliche Grund für den Zinsschritt liege in der Glaubwürdigkeit der Fed: Die Notenbank müsse unter Beweis stellen, dass sie unabhängig agiert und Preisstabilität konsequent verfolgt. Paradoxerweise könnte genau diese Zinserhöhung die langfristigen Renditen stabilisieren, weil sie Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs beseitigt.
- Kerninflation in den USA auf niedrigstem Stand seit Covid
- Energiepreisgetriebene Inflation dominiert das Bild
- Zweite Inflationsrunde (Zweitrundeneffekte) bislang ausgeblieben
- Fed-Zinserhöhung soll Glaubwürdigkeit der Notenbank wiederherstellen
Crashgefahr oder Kaufchance? Einschätzung für Anleger
Trotz der angespannten Marktlage sieht die UBS keinen unmittelbar bevorstehenden Börsencrash. Für einen solchen wären entweder ein massiver Einbruch der Unternehmensgewinne oder ein extremer weiterer Zinsanstieg nötig. Beides hält Kunkel für unwahrscheinlich: Die Bewertungen seien bereits deutlich zurückgekommen – es handele sich um den stärksten Bewertungsrückgang in einem Bullenmarkt seit 2010. Gleichzeitig beschleunige sich das Gewinnwachstum der Unternehmen.
Beim Thema Künstliche Intelligenz bleibt die UBS trotz Berichten über eine verlangsamte Entwicklung optimistisch. Große Technologiekonzerne, sogenannte Hyperscaler, hätten erstmals nachgewiesen, dass KI-Infrastrukturinvestitionen direkt zu Umsatzsteigerungen führen. Das stütze weitere Investitionen und höhere Bewertungen im Technologiesektor.
Für die konkrete Depotpositionierung empfiehlt die UBS:
- Aktien als Kaufgelegenheit nutzen – Bewertungen sind attraktiver geworden
- Bei Anleihen auf Unternehmensanleihen mittlerer Laufzeit und hoher Qualität setzen
- Gold als Beimischung, da eine Dollar-Abschwächung und Diversifikationsflüsse die Nachfrage treiben dürften
An den Einzelwerten fällt auf: Die Deutsche Bank verliert rund 2 Prozent, Analysten warnen vor steigenden Kreditausfällen. Der Chemiewert Lanxess büßt 4,4 Prozent ein, nachdem JP Morgan das Kursziel deutlich gesenkt hat – als Begründung gelten stark gestiegene Energiekosten und ein unzureichender Absicherungsschutz. Gegenpol ist CEWE, dessen Aktienrückkaufprogramm mit einem Plus von 1,7 Prozent honoriert wird.
Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein: Sowohl die Fed-Entscheidung als auch die weitere Entwicklung im Nahen Osten werden maßgeblich bestimmen, ob sich die Rentenmärkte stabilisieren oder der Druck auf Aktien und Anleihen weiter zunimmt.
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