Dieses Video wurde am 14.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Foto, ein Lächeln, ein AfD-Kandidat – und plötzlich stehen vier Freiwillige vor dem möglichen Ende ihrer Feuerwehrkarriere. In der sachsen-anhaltischen Kleinstadt Egeln hat ein Schnappschuss mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Sigmund eine Debatte ausgelöst, die weit über die 3.000-Einwohner-Gemeinde hinausgeht: Bürgermeister Michael Stör von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Egeln drohte den vier Feuerwehrmänner mit dem Ausschluss aus der freiwilligen Feuerwehr. Der Vorfall wirft grundlegende Fragen über die Politisierung des Ehrenamts in Deutschland auf.
Was war passiert: Ein Foto beim Wahlkampftermin
Ulrich Sigmund war zu einem regulären Wahlkampftermin in der Region unterwegs, als er auf Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Egeln traf. Die Männer erkannten den AfD-Politiker, der in Sachsen-Anhalt als Spitzenkandidat antritt, und baten ihn um ein gemeinsames Foto. Das Bild zeigt die Feuerwehrmänner in Uniform, im Hintergrund ist ein Feuerwehrfahrzeug zu sehen.
Als das Foto öffentlich wurde, reagierte Bürgermeister Stör mit scharfer Kritik. In einem ausführlichen Facebook-Post erklärte er, er sei fassungslos über das Verhalten der Feuerwehrmänner. Das Ehrenamt habe enormen Schaden genommen, und die Bürger könnten den freiwilligen Helfern im Notfall nicht mehr vertrauen – so die Unterstellung des Bürgermeisters. Er kündigte an, die Aktion intern auszuwerten und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Ortswehrleiter stellt sich schützend vor seine Kameraden
Deutlichen Widerspruch gab es jedoch aus den eigenen Reihen der Feuerwehr: Ortswehrleiter Michael Rommel nahm die betroffenen Feuerwehrmänner in Schutz. Gegenüber der Volksstimme erklärte er, die Feuerwehrleute hätten keine politische Botschaft senden wollen – es sei schlicht keine böse Absicht dahinter gesteckt.
Rommel stellte klar:
- Die freiwillige Feuerwehr Egeln sei nicht parteiisch.
- Die Kameraden hätten sich lediglich ein Foto holen wollen, als Sigmund auf sie zukam.
- Er selbst wolle die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen, um seine Kameraden zu schützen.
Die Aussage des Ortswehrleiters macht deutlich, dass die Drohung des Bürgermeisters innerhalb der Feuerwehr keineswegs auf Zustimmung stößt.
Ehrenamt und politische Gesinnung: Eine gefährliche Grenze
Die Rechtsfrage ist eindeutig: Ein Bürgermeister hat keine Befugnis, Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr aufgrund eines privaten Fotos auszuschließen. Die freiwillige Feuerwehr ist kein politisches Gremium, sondern ein gemeinnütziges Ehrenamt, das auf dem freiwilligen Engagement von Bürgerinnen und Bürgern beruht.
Besonders brisant ist die Unterstellung des Bürgermeisters, die Feuerwehrmänner könnten im Ernstfall nicht jedem Menschen gleichermaßen helfen. In seinem Zitat heißt es, wer die unabhängige Hilfsbereitschaft der Feuerwehr auch nur ansatzweise in Zweifel ziehe, habe dort nichts mehr zu suchen. Damit unterstellt er den Männern implizit, die Menschenwürde im Notfall abzuwägen – eine Behauptung, für die es keinerlei Anhaltspunkte gibt.
Dabei ist das Ehrenamt in Deutschland ohnehin unter Druck: Die freiwillige Feuerwehr kämpft vielerorts mit Nachwuchsmangel. Wer junge, engagierte Menschen durch politische Gesinnungstests abschreckt, schadet der öffentlichen Sicherheit unmittelbar.
Kein Einzelfall: Politisierung des Ehrenamts greift um sich
Der Fall in Egeln steht nicht allein. In Baden-Württemberg schloss der Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nach Berichten AfD-Mitglieder und aktive Unterstützer aus – mit der Folge, dass AfD-nahe Rettungsschwimmer von Einsätzen ausgeschlossen wurden.
Beide Fälle zeigen einen besorgniserregenden Trend: Das Ehrenamt, das traditionell als unpolitischer Dienst am Gemeinwohl gilt, wird zunehmend zum Schauplatz parteipolitischer Auseinandersetzungen. Ob Feuerwehr oder Wasserrettung – wer Lebensretter nach ihrer politischen Gesinnung aussortiert, macht aus einem gesellschaftlichen Dienst einen Gesinnungstest.
In Sachsen-Anhalt wird in wenigen Wochen gewählt. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei rund 42 Prozent – in Egeln dürfte der Vorfall die politische Stimmung kaum zugunsten des Bürgermeisters verändert haben. Wie die Gemeindeverwaltung mit dem Fall letztlich umgeht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Wer das freiwillige Engagement junger Menschen für politische Zwecke instrumentalisiert, riskiert genau das zu zerstören, was er vorgibt zu schützen.
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