Dieses Video wurde am 17.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukrainekrieg setzt die Ukraine ihre Strategie tief reichender Angriffe auf russisches Territorium konsequent fort. Hunderte Drohnen trafen erneut Lager des russischen Online-Händlers Wildberries nahe Moskau und verursachten massive Schäden. Gleichzeitig drängt EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas auf eine erhebliche Ausweitung der europäischen Sanktionen gegen Russland. Mindestens 19 Menschen kamen bei gegenseitigen Drohnen- und Raketenangriffen ums Leben. Die militärische und wirtschaftliche Lage verschärft sich auf beiden Seiten.
Drohnenangriffe auf Wildberries: Logistik als Kriegsziel
Die ukrainische Armee greift gezielt die Logistikinfrastruktur Russlands an. Wildberries – oft als „Russlands Amazon” bezeichnet – steht dabei im Mittelpunkt mehrerer aufeinanderfolgender Angriffe. Die Ukraine wirft dem Unternehmen vor, seine Lieferketten auch zum Transport von Drohnenteilen, Munition und anderen Komponenten von Waffensystemen zu nutzen.
Sicherheitsexperte Nico Lange bestätigt die Wirksamkeit dieser Angriffe: Die Logistik des Unternehmens funktioniere nicht mehr so reibungslos wie zuvor. Das treffe nicht nur das Militär, sondern auch Millionen russische Privatnutzer, die Wildberries zum Kaufen, Verkaufen und Lagern von Waren nutzen.
Zusätzlich wurden zwei Einkaufszentren einer Baumarktkette in der von Russland besetzten Stadt Donezk mehrfach getroffen. Auch dort steht die Kette inzwischen unter russischer Kontrolle und gilt damit als legitimes Ziel der ukrainischen Streitkräfte.
Angriffe auf Ölinfrastruktur treffen Russlands Staatshaushalt
Neben Logistikzentren stehen Ölraffinerien und Exportterminals im Fokus ukrainischer Operationen. Zuletzt wurde die Hafenanlage in Ust-Luga an der Ostsee angegriffen, wo russisches Öl auf Schiffe verladen wird. Funktioniert diese Infrastruktur nicht mehr, entstehen laut Experten zwei unmittelbare Folgen:
- Treibstoffmangel in mehreren russischen Regionen, der bereits spürbar ist
- Sinkende Exporteinnahmen für das Putin-Regime
- Wachsender innenpolitischer Druck durch steigende Versorgungsengpässe
- Störung der militärischen Nachschubrouten und Nachschublogistik
Nico Lange betont, dass die Kombination dieser Schläge – gegen Ölinfrastruktur, Logistik und militärisch genutzte Einrichtungen – Putin „große Probleme” bereite und erstmals den Krieg in das Innere Russlands trage, wo er für die Bevölkerung direkt spürbar werde.
EU-Sanktionen: Kallas fordert deutliche Ausweitung
Parallel zu den militärischen Entwicklungen verstärkt die Europäische Union den Druck auf diplomatischer Ebene. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat eine erheblich erweiterte Sanktionsliste vorgeschlagen. Wird diese im Herbst beschlossen, würde die Zahl sanktionierter russischer Personen, Unternehmen und Organisationen sofort um ein Drittel steigen.
Kallas bezeichnete die bisherigen 19 Sanktionspakete als Erfolg: Sie hätten Russland bereits über eine Billion Euro gekostet. Dennoch bestehen innerhalb der EU erhebliche Meinungsverschiedenheiten über das weitere Vorgehen.
Sicherheitsexperte Lange mahnt: Es sei ein „Anachronismus”, dass Europa weiterhin in Rekordhöhen russisches Flüssiggas (LNG) kaufe und manche sanktionierte Personen sich noch immer frei in der EU bewegten. Er appelliert ausdrücklich an Deutschland, die erweiterte Sanktionsliste zu unterstützen.
Einordnung: Der Krieg kommt in Russland an
Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine neue Qualität des Krieges: Die Ukraine wartet nicht länger nur auf externe Unterstützung, sondern setzt auf eigenständige Schläge tief im russischen Hinterland. Die Zerstörung von Wildberries-Lagern, Ölinfrastruktur und besetzten Versorgungseinrichtungen ist kein Zufallstreffer – es ist eine kalkulierte Strategie, die darauf abzielt, wirtschaftlichen Druck und gesellschaftliche Unruhe in Russland zu erzeugen.
Ob dies Putin zu Verhandlungen bewegt, bleibt offen. Doch die Signalwirkung ist klar: Der Krieg, den Russland begonnen hat, erreicht nun zunehmend die eigene Bevölkerung – wirtschaftlich, logistisch und psychologisch.
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