Hape Kerkeling kritisiert AfD im Thüringer Landtag
Hape Kerkeling erinnert im Thüringer Landtag an seinen im KZ Buchenwald inhaftierten Großvater und wirft der AfD vor, im Kern verfassungswidrig zu sein.
Dieses Video wurde am 01.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit einem ungewöhnlichen und persönlichen Auftritt hat Entertainer Hape Kerkeling im Thüringer Landtag eine öffentliche Mahnung an die AfD gerichtet. Der Anlass war eine Anhörung über einen möglichen AfD-Verbotsantrag, bei der neben Kerkeling auch Juristen und Verfassungsexperten zu Wort kamen. Kerkeling, seit 42 Jahren im Showgeschäft tätig, sprach dabei nicht nur als Prominenter, sondern als Enkel eines NS-Opfers – und traf damit einen besonders sensiblen Nerv.
Großvater als Häftling in Buchenwald – eine persönliche Mahnung
Nur wenige Kilometer vom Thüringer Landtag entfernt liegt das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Dort wurde Kerkelings Großvater Hermann von den Nationalsozialisten eingesperrt und gefoltert – als Häftling mit der Nummer 6117. An dieses Schicksal erinnerte Kerkeling eindringlich vor den Abgeordneten.
Direkt an die AfD gewandt, stellte er ihr eine klare Forderung: Sie sollten die Chance nutzen, sich von jeder Verharmlosung der NS-Diktatur zu distanzieren. Seine Einschätzung war unmissverständlich: „Sie werden es nicht tun. Warum tun sie es nicht? Weil sie im Kern verfassungswidrig sind – und das beweist ihr Schweigen.”
Dieser Auftritt war bewusst als Mahnung konzipiert – an die Politik, an die Öffentlichkeit und an die Partei selbst.
Verfassungsrechtliche Debatte: Reichen die Belege für ein Verbot?
Parallel zu Kerkelings emotionalem Statement diskutierten Juristen und Verfassungsexperten die rechtlichen Grundlagen eines möglichen Verbotsverfahrens. Maßgeblich ist dabei Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes, der ein Parteiverbot an eine aktiv kämpferische Haltung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung knüpft.
Auch der frühere Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, nahm an der Veranstaltung teil – allerdings auf Einladung der AfD selbst. Maaßen, der seit Jahren die Nähe zu rechten Kreisen sucht, positionierte sich klar auf Seiten der Partei. Seine Einschätzung zur Verbotsdiskussion: Die öffentlich bekannten Informationen über die AfD reichten bei weitem nicht aus, um ein Verbotsverfahren nach Artikel 21 zu begründen.
- Für ein Verbot ist eine aktiv kämpferische Haltung gegen die Verfassungsordnung nötig
- Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über Parteiverbote
- Bisherige Verbotsversuche (z. B. gegen die NPD) scheiterten an der Beweislage
- Ostdeutsche AfD-Landesverbände gelten als besonders radikal
- Der Verfassungsschutz stuft mehrere Landesverbände als gesichert rechtsextrem ein
AfD im Aufwind – besonders stark im Osten
Bundesweit verzeichnet die AfD derzeit wachsende Umfragewerte. In Ostdeutschland ist sie seit Jahren besonders stark verankert und erzielt dort regelmäßig überdurchschnittliche Wahlergebnisse. Die östlichen Landesverbände – darunter Thüringen und Sachsen – stehen im Zentrum der Verbotsdebatte, da sie als besonders radikal eingestuft werden.
Genau diese Verbände wären im Fokus, sollte ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht tatsächlich eingeleitet werden. Kritiker warnen jedoch, dass ein gescheiterter Verbotsversuch die Partei politisch stärken könnte – ähnlich wie beim NPD-Verfahren 2017.
Einordnung: Symbolpolitik oder ernsthafter Vorstoß?
Kerkelings Auftritt hat die Debatte über ein AfD-Verbot neu entfacht und ihr eine emotionale Dimension verliehen, die juristische Fachgespräche allein kaum erzeugen können. Die Kombination aus persönlicher Familiengeschichte, historischer Erinnerung und politischer Konfrontation machte seine Rede zu einem vieldiskutierten Moment.
Ob aus der Anhörung ein konkreter politischer Schritt folgt, bleibt offen. Die rechtliche Hürde für ein erfolgreiches Parteiverbotsverfahren ist hoch – und die politische Bereitschaft, diesen Weg zu gehen, ist unter den Bundestagsparteien weiterhin umstritten. Die Debatte dürfte angesichts wachsender Wahlerfolge der AfD jedoch nicht abreißen.
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