CO2-Preis: Pappenfabrik Tullau nach 150 Jahren insolvent
Die Pappenfabrik Tullau stellt nach fast 150 Jahren den Betrieb ein – erstmals geht ein deutsches Unternehmen wegen des CO2-Preises in die Insolvenz.
Dieses Video wurde am 29.10.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Pappenfabrik Tullau stellt nach fast 150 Jahren ihren Betrieb ein. Als erstes deutsches Unternehmen geht sie nachweislich wegen der Kosten für CO2-Zertifikate in die Insolvenz. Rund 100 Mitarbeiter an zwei Standorten in Baden-Württemberg und Bayern verlieren ihre Arbeitsplätze. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun sah sich gezwungen, den Geschäftsbetrieb noch vor Eröffnung des formellen Insolvenzverfahrens vollständig einzustellen – ein in dieser Form einzigartiger Vorgang, der eine breite Debatte über die Folgen der europäischen Klimapolitik für den deutschen Mittelstand ausgelöst hat.
CO2-Zertifikate als Insolvenzgrund: Der Fall Tullau
Die 1878 gegründete Pappenfabrik Tullau produzierte an zwei Standorten Vollpappe und Graupappe – ein energieintensiver Prozess, für den das Unternehmen verpflichtend CO2-Emissionszertifikate erwerben musste. Für die Jahre 2025 und 2026 belaufen sich diese Kosten auf nahezu siebenstellige Beträge.
Insolvenzverwalter Braun bezeichnete gegenüber dem SWR das Treibhausgasemissionshandelsgesetz als „sanierungsfeindliches Gesetz”, das dem Unternehmen alle Sanierungsoptionen nehme und einen Beitrag zur Deindustrialisierung der Bundesrepublik leiste.
Ein zentrales Problem: Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens müssen offene CO2-Zertifikatsschulden bevorrechtigt behandelt werden. Das bedeutet, jeder potenzielle Investor müsste zunächst diese Altschulden begleichen, bevor er überhaupt in den Betrieb investieren kann. Das macht eine Übernahme für Interessenten wirtschaftlich unattraktiv.
Kostenstruktur: CO2-Abgabe frisst den Gewinn
Die wirtschaftliche Logik hinter dem Scheitern des Unternehmens lässt sich an der Kostenstruktur der Pappenproduktion ablesen. Eine Tonne Pappe kostet in der Herstellung rund 600 Euro. Die Kosten verteilen sich dabei wie folgt:
- ca. 30 % Rohstoffkosten
- ca. 18 % Personalkosten
- ca. 17 % Energiekosten
- ca. 13 % Maschinenkosten
- ca. 12 % Verwaltungskosten
- ca. 10 % Kosten für CO2-Zertifikate
Dieser Anteil von rund zehn Prozent allein für den Emissionshandel entspricht in etwa der Gewinnmarge, die einem mittelständischen Produzenten in einem hart umkämpften Markt bleibt. Hinzu kommt, dass Pappenpreise am Markt kurzfristig kaum angehoben werden können – insbesondere wenn günstige Importware aus Osteuropa und Asien als Alternative verfügbar ist.
Mittelstand unter Druck: Kein Einzelfall
Die Pappenfabrik Tullau steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Wirtschaftsexperten und Unternehmerverbände seit Jahren befürchten. Energieintensive Betriebe des deutschen Mittelstands geraten durch das Zusammenspiel mehrerer Belastungen in existenzielle Schwierigkeiten:
- Steigende Energiepreise, die nur begrenzt an Kunden weitergegeben werden können
- Wachsende regulatorische Anforderungen durch EU-Verpackungsverordnungen
- Günstiger werdende Importkonkurrenz aus Ländern ohne vergleichbare CO2-Auflagen
- Pflicht zum Erwerb von Emissionszertifikaten auch in wirtschaftlich schwachen Phasen
Das Unternehmen hatte in seiner fast 150-jährigen Geschichte zwei Weltkriege, die Weimarer Republik, die NS-Zeit und die Wiedervereinigung wirtschaftlich überstanden – stets in Familienbesitz und über Generationen weiterentwickelt. Nun erzwingen die Kosten des europäischen Emissionshandels das Ende.
Politische Debatte: Reform des Emissionshandels gefordert
Der Fall Tullau befeuert die politische Diskussion über den EU-Emissionshandel und seine Auswirkungen auf die europäische Industrie. Kritiker aus Wirtschaft und Politik fordern eine grundlegende Reform oder Abschaffung des Systems für besonders betroffene Sektoren.
Der Wirtschaftsexperte und frühere Europaparlamentarier Kurt Lauk hatte bereits gewarnt, dass dauerhaft steigende Energie- und Produktionskosten zwangsläufig Arbeitsplätze vernichten würden. Er bezeichnete den Zertifikatehandel als „ideologischen Quatsch”, der abgeschafft werden müsse.
Aus Sicht von Kritikern offenbart der Fall ein strukturelles Dilemma: Papier und Pappe gelten als besonders recyclingfähige und nachhaltige Werkstoffe – ihre energieintensive Produktion wird jedoch durch das Emissionshandelssystem bestraft, während importierte Konkurrenzprodukte aus Ländern ohne ähnliche Klimaauflagen günstiger auf den Markt kommen. Ob der politische Druck nun zu einer Kurskorrektur auf EU-Ebene führt, bleibt abzuwarten. Der Fall Tullau dürfte dabei als Referenzbeispiel in der weiteren Debatte eine zentrale Rolle spielen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (NIUS). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.